Berndt Luef Quintett
Berndt Luef wollte nach der Matura Klavier studieren, verlor aber bei einem Arbeitsunfall in der Ferialpraxis 1970 den kleinen Finger und den Ringfinger der linken Hand, der Mittelfinger blieb steif. Da er aber trotzdem unbedingt Musiker werden wollte hat er mit der Erlernung des Schlagzeugspiels begonnen, und ein Jahr später an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz zu studieren begonnen (Klassik & Jazz).Nach Beendigung seines klassischen Studiums 1979 bei Franz Nedorost, konzentrierte er sich auf das Vibraphon und absolvierte1983 auf diesem Instrument sein künstlerisches Diplom. Seitdem lebt er als freischaffender Künstler in Graz und leitete von 1988 bis 2006 ehrenamtlich das Musikreferat im Forum Stadtpark. Schon während des Studiums schrieb Berndt Luef Kompositionen für seine diversen Ensembles, in denen er Schlagzeug spielte, was auch 1979 zu seinem Engagement bei der Rockgruppe "Mirror" führte, die er dann ab 1984 bis 1990 als Leiter weiterführte. 1982 gründete er das "Berndt Luef Trio" in der Besetzung Vibraphon, Baß und Schlagzeug, die er oft zu einer Quartettbesetzung erweitert hat. 1993 gründete er das Musikerkollektiv "Jazztett Forum Graz", wobei das Repertoire dieser beiden Ensembles fast zur Gänze von Berndt Luef stammt. Berndt Luef schreibt regelmäßig Kompositionen für die Programme der Kabarettgruppe "Die Blauen Engel", war von 1983 bis 1986 Mitglied des Avantgarde Ensembles des Komponisten Anton Prestele und spielte u.a. bei der Uraufführung von dessen "Wirtshausoper" im steir. herbst 1985. Außerdem schreibt er öfters Artikel für die Grazer Wandzeitung "Ausreisser".
Sozialisiert in den späten 60er Jahren hat sich Berndt Luef in seiner kompositorischen Tätigkeit auch immer mit politischen Ereignissen auseinandergesetzt. In einer seiner ersten Kompositionen "Chile" hat er musikalisch auf den dortigen faschistischen Putsch der Generäle unter Pinochet gegen die gewählte Regierung Allende im September 1973 reagiert. Mit "Mirror" spielte er die Musik für einige Theaterproduktionen und Geschichts – Werkstätten, u.a. die "Ballade von Koloman Wallisch", den 1934 hingerichteten steirischen Sozialisten. Die meisten der Kompositionen sind aber nach der Gründung des Jazztett Forum Graz und in den Projektreihen "Work Stations" (1996 – 1999), "Deviationen" (2000 – 2002), "Trialogues" (2003 – 2005) und der laufenden Reihe "Correlations" entstanden: "Die bosnische Tragödie", "The Refugees", "Dendriten", "Snowman`s tales", "Epitaph" und "FoStaGra". Bei einer der wenigen ausgeschriebenen Kompositionspreisen für Jazzmusik hat er 2001 mit der Jazzballade "Eyelash" (CD "Deviation") den ersten Preis gewonnen. Bedingt durch seine Auseinandersetzung mit dem Bürgerkrieg in EX – Jugoslawien und der Mitgliedschaft von Musikern aus diesem Gebiet in seinen Ensembles hat er zahlreiche Konzerte besonders in Bosnien und Serbien gespielt. In der Komposition "Epitaph", die den Untertitel "eine Grabinschrift in 6 Abschnitten" trägt, hat sich Berndt Luef intensiv mit dem Todesmarsch der ungarischen Juden durch die Steiermark im April und Mai 1945 auseinandergesetzt. Berndt Luef schreibt aber auch durchaus humorvolle Stücke, so etliche Kompositionen, die sich mit den Unwegbarkeiten der Grazer Verkehrsbetriebe ("Bus 63", "Station 9") oder der ÖBB ("Hoax") auseinandersetzen und hat eine Reihe von musikalischen Reiseberichten "verfasst".
In seiner 18 jährigen Tätigkeit im Forum Stadtpark hatte Berndt Luef drei Konzertreihen ("Musikalische Erzählungen" von 1988 – 1992, und ab 1993 die "Kon-Mär-erte" und die "Autumn Concerts") installiert, für die er immer Musiker und Künstler aus den Bereichen der Neuen E- Musik, der frei improvisierten Musik und der Jazzmusik ausgewählt hat. Es waren immer Künstler engagiert, die sich nicht in eine der gängigen Lobbys einklinken wollten und es deshalb schwer hatten, ihre Projekte präsentieren zu können. So war er Mitbegründer der Musikprojekte "die andere Saite" und des "Hörfestes" und hatte eine lange Zusammenarbeit mit dem Grazer Perkussionsensemble "Studio Percussion" von Günter Meinhart, dem "Alea Ensembles" von Gerhard Präsent und den Gruppen des Kölner Bassisten Aloys Kott.
In seiner Auffassung von Musik ist er (Zitat) "sicher etwas old fashioned", da ihm das klingende Endprodukt einer Aufführung wichtiger als die Verpackung ist. Eine der Erfahrungen, die er bei seiner Tätigkeit als Veranstalter machen musste, war die Tatsache, dass einerseits die Ghettoisierung der einzelnen Sparten immer mehr voranschreitet und dass andrerseits die Kritikfähigkeit dem Gehörten gegenüber immer mehr nachlässt. Entweder eine Musik wird total abgelehnt oder unkritisch als das Neue bejubelt. Was er dabei als besonders störend empfindet ist die Bewertung, die damit einhergeht und die nur allzu oft von "Trendsettern" der Medienbranche ausgegeben worden ist. Diese Musikauffassung war sicher auch einer der Gründe für die Differenzen mit dem Programmforum des Forum Stadtpark unter Anton Lederer und seinem Ausscheiden aus dem Verein im Herbst 2006. Mit seinem "Jazztett Forum Graz" musste er dadurch längere Zeit auf Quartiersuche gehen, da durch den so nicht geplanten Abgang aus dem Forum Stadtpark der Gruppe die "Heimstätte" verloren gegangen war. Das Ensemble spielt nun seit Herbst 2007 seine Grazprojekte im Veranstaltungszentrum WIST, wobei Berndt Luef auch wieder eine eigene Veranstaltungsreihe namens "Herbstzeitlose" ins Leben gerufen hat.
In den letzten beiden Jahren hatte Berndt Luef eine Zusammenarbeit mit dem Eduardo Araica Trio aus Nicaragua und hat mit dem jungen Saxophonisten Patrick Dunst ein eigenes Duoprogramm erarbeitet, darunter eine Neuvertonung des Stummfilmklassikers "Das Cabinett des Dr. Calligari".
Axel Mayer, Trompete & Flügelhorn
Patrick Dunst, Alt- und Sopransaxophon, Flöte & Bassklarinette
Ewald Oberleitner, Kontrabass
Viktor Palic, Schlagwerk
Berndt Luef, Vibraphon & Schlagwerk
