PSALM 2017 - Fruchtbar

Eine kleine Bilanz

Den Frauen gehörte die Bühne des heurigen PSALM-Festivals in Graz. Die weibliche Fruchtbarkeit – das Thema der Konzertreihe zu Ostern – deuteten sie in kulturellen, historischen und immer wieder auch ganz persönlichen Zusammenhängen.

Die sieben Veranstaltungen der PSALM-Ausgabe 2017 auf der elliptischen roten Bühne in der Helmut List Halle erlebten genau 4.146 Besucherinnen und Besucher, die sich eingangs im Foyer von Intendant Mathis Huber kurz in die jeweiligen Vorstellungen einführen lassen konnten und zum Abschied als kleines Präsent einen „Apfel der Hesperiden“ in die Hand gedrückt bekamen – ein kleiner sinniger Hinweis auf „La Margarita“, die zentrale Produktion der styriarte 2017.

Rebekka Bakken versuchte, in ihrer ganz eigensinnigen Beschäftigung mit ihrem Frausein als Künstlerin männliche und weibliche Anteile der Persönlichkeit jenseits der Geschlechterstereotypen zu vereinen, während Nobuntu, die jungen Singer-Songwriterinnen aus Simbabwe, ein vitales Statement gegen die traditionellen Beharrungskräfte ihrer Gesellschaft, die weiblichen Wert noch immer über Mutterschaft definiert, auf die Bühne der Helmut List Halle zauberten.

Dame Emma Kirkby, die Grande Dame der Alten Musik, deutete den Jungfrauenkult der englischen Königin Elisabeth I. als politischen und persönlichen Zwang, und das indische Tanzensemble Kalasri präparierte die Anteile weiblicher Macht aus den hochartifiziellen Kosmogonien des Hinduismus. Maria Jonas und Ars Chorals Coeln schließlich präsentierten in mittelalterlichen Laudes und Litaneien die Geschichte der Gottesmutter Maria mit unerwarteten Potentialen als weibliches Emanzipationsangebot.

All die Programme, gemeinsam gestaltet mit zwei der interessantesten Schauspielerinnen der Gegenwart – Mavie Hörbiger und Chris Pichler – überschritten die Grenzen zwischen Alter und Neuer Musik, zwischen Folk und Pop. Und schließlich brachten La Venexiana in einem Florentiner Madrigalprogramm und recreationBAROCK unter Stefan Gottfried in Alessandro Scarlattis „La Gloria di Primavera“ (auf Radio Steiermark am 4. Juni um 20.04 Uhr nachzuhören) auch noch ausgesprochene Raritäten der Renaissance und der Barockmusik in ein prallvolles, vitales Festival.