Tanz des Lebens

Die styriarte 2017 zieht Bilanz

Am Anfang stand eine große Frage: Kann das gelingen, ein Festival, das so eng mit dem Namen eines Künstlers verknüpft ist wie die styriarte mit Nikolaus Harnoncourt, nach dem Tod des Maestro ohne ihn in die Zukunft zu führen? Einen neuen Weg in die Zukunft einzuschlagen, ohne die künstlerischen Maximen zu vernachlässigen, die die bisherige Arbeit getragen haben? Und ohne das Publikum zu verlieren, das bisher durch sein leidenschaftliches und lebhaftes Interesse das Festival überhaupt ermöglicht hat? Am Ende der styriarte 2017 können wir diese Fragen mit einem eindeutigen Ja beantworten. Wir haben uns aufgemacht in einen wirbelnden „Tanz des Lebens“, und das Publikum wie unsere Künstler folgten uns in ein leidenschaftliches Festival voller Entdeckungen, voll Aufbruchsstimmung und voller Ereignisse.

Beispielhaft für die neue styriarte war die Hauptproduktion des Festivals, „La Margarita“: ein barockes Fest mit einem Pasticcio aus Opernszenen und Rossballett, für das die styriarte in die atemberaubend schöne Kulisse des Schlosses Schielleiten in der Oststeiermark übersiedelte. Dort gelang ein ganzheitliches Erlebnis, das künstlerischen Anspruch und emotionale Unterhaltung zusammenführte. Autor und Regisseur Thomas Höft, das Innsbrucker Trompeten Consort und die Neue Hofkapelle Graz unter Leitung von Michael Hell, ein erlesenes Sängerensemble und die Pferde und ReiterInnen der Spanischen Reitschule Ungarn Epona in der Choreographie von Dorottya Borsó erweckten die vergessene Kunstform des Wiener Rossballetts zu neuem Leben. Angelehnt an eine historische Vorlage aus dem Jahr 1667 waren vier Aufführungen zu erleben, die sowohl Maßstäbe in der historischen Aufführungspraxis setzen als auch augenzwinkernd eine nur scheinbar in der Vergangenheit verhaftete Kunstform vergegenwärtigten konnten. Über die ORF-Klangwolke und eine Übernahme der Fernsehaufzeichnung durch 3sat gelangte das Ereignis nicht nur auf Großleinwände in der ganzen Steiermark, sondern auch auf zahllose europäische Fernsehbildschirme.

Wie sehr der Tanz ein grundsätzliches Movens der Musik ist, war das prägende Thema der gesamten styriarte. Das Festival erforschte die rituellen Grundlagen der Musik durch Bewegung in sehr beeindruckenden Programmen mit ethnischer Musik, unter anderem mit einer Tanzgruppe von den Fidschi-Inseln, mit wirbelnden Derwischen aus der Türkei und aus Syrien und mit Trommlern und Tänzern aus Ruanda. Immer wieder kam es in diesem Zusammenhang zum Crossover der Kulturen: ein mexikanisches Ensemble musizierte mit den Musikerinnen und Musikern von Jordi Savalls Hespèrion XXI auf den musikalischen Spuren eines lateinamerikanischen Codex. Eine Sambakönigin aus Rio, ruandische Tänzer und eine Spielfrau aus Schweden weiteten die Grenzen und Dimensionen des Museumsdorfes Stübing gemeinsam mit den heimischen Citoller Tanzgeigern. Und das Colombian Youth Orchestra unter Andrés Orozco-Estrada verband die klassische europäische Moderne des frühen 20. Jahrhunderts geradezu körperlich mit den aktuellen Ausdrucksformen lateinamerikanischer Musik.

Der Festcharakter dieser Programme, die sich weder auf konventionelle Konzertrituale noch auf den Konzertsaal beschränken, war ein ganz entscheidender Punkt für das Gesamtbild der neuen styriarte. Immer wieder wurde das Publikum auf Reisen geschickt, ob abenteuerlich auf der Spurensuche nach Elfen und Feen morgens um sechs am Grundlsee oder ganz höfisch durch Garten und Prunksäle von Schloss Eggenberg im Geiste des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Und immer wieder war Mittanzen angesagt: Mehrfach öffnete sich spektakulär die Rückwand der Helmut List Halle, um einen Ballroom freizugeben, in dem man vom Wiener Walzer bis zum Rock‘n’Roll selbst aktiv werden konnte.

Ein unverzichtbarer Bestandteil der styriarte ist die Musikvermittlung. Das Markenprodukt der styriarte dafür heißt styriarte-SOAPS, in denen Musikgeschichten von Schauspielerinnen und Schauspielern zu erlesener Musik und begleitet von Kameras aufwändig präsentiert werden. Heuer waren die SOAPS Ginger Rodgers und Fred Astaire, Johann Strauß, Georg Philipp Telemann, Rudolf Nurejew sowie Wolfgang Amadeus Mozart und seiner Schwester Nannerl gewidmet. Dazu kam ein veritables Staraufgebot von Schauspielern: Maria Köstlinger, Gabriele Schuchter, Ursula Strauss, Nora von Waldstätten, Susanne Konstanze Weber, Peter Simonischek und Michael Dangl spielten und lasen, Sandy Lopicic und Adrian Schvarzstein setzten wirkungsvoll in Szene.

Die styriarte 2017 war ganz besonders ein Treffpunkt der internationalen Stars der Alten Musik: Dorothee Oberlinger und Vittorio Ghielmi waren ebenso zu erleben wie Les Musiciens de Saint-Julien und Francois Lazarevitch, Christophe Coin, das Ensemble Sarband und Vladimir Ivanoff, Miriam Andersén, Le Tendre Amour, Lorenz Duftschmid und Rolf Lislevand, Musica ad Rhenum und Jed Wentz, Pino de Vittorio, Erich Höbarth und Annie Laflamme und natürlich Le Concert des Nations, La Capella Reial und Hespèrion XXI unter Jordi Savall. Die Neue Hofkapelle Graz verantwortete gleich zwei große styriarte-Produktionen, und der Concentus Musicus Wien, nun unter Stefan Gottfried, bleibt der styriarte als zentrales Barockorchester erhalten. Giora Feidman, Bernd Glemser, Anderson & Roe, Marcelo Nisinman, Benjamin Schmid oder Pierre-Laurent Aimard mögen dazu beispielhaft für die ganze Breite des Musikrepertoires stehen, die die styriarte 2017 zu einem Festival ganz breiter programmatischer Basis machten, als ein Fest des Lebens und des Tanzens.


Die styriarte 2017 in Zahlen

50 Veranstaltungen aus 40 Projekten standen auf dem Programm der styriarte 2017 von 23. Juni bis 23. Juli.

Die styriarte 2017 lief in einem Budgetrahmen von rund 2,9 Mio EUR, wovon etwas mehr als 50 % durch Karten- und Sponsorerträge vom Festival selbst erwirtschaftet wurden. Knapp über 30.000 Besucher bescherten der styriarte ein Auslastungsergebnis von über 90 % und einen Brutto-Kartenertrag von EUR 1,29 Mio.

Unsere 340 aufgelegten Restplatzabos (180 à 5 und 160 à 8) wurden komplett ausverkauft. Unser junges Kartenangebot, 50%-Preis für Leute U 27, spricht sich auch herum: Bereits mehr als 700 Besucher haben dieses Angebot angenommen, was man auch sieht: Die styriarte wird immer jünger

Als Hauptsponsor ist der Raiffeisen-Landesbank Steiermark zu danken, als Subventionsgeber dem Land Steiermark, der Stadt Graz und dem Bundeskanzleramt, Sektion Kunst.

16 Veranstaltungen wurden vom ORF Hörfunk aufgezeichnet und ausgestrahlt und auch über die EBU in die Welt geschickt. Die Klangwolke am 15. Juli, „La Margarita“, wurde in ORF III live und zeitversetzt am 16. Juli in 3sat ausgestrahlt.

Das styriarte Kartenbüro macht ab 31. Juli Sommerpause (mit einem wöchentlichen Journaldienst) und wird ab 3. September wieder offen haben.


Presse-Informationen:

Claudia Tschida
Tel: 0043/316/81 29 41-17
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