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Hinter den Kulissen

Stefaniensaal in blauem Licht

Bühnensetting für das Konzert und die Musikfilmproduktion „Gershwin“

Gershwin: abgesagt! Was spielt sich in einer Ausnahmesituation hinter den Kulissen ab?

Ein Beitrag von Katharina Milchrahm.

Mit der Absage von fünf „Gershwin“-Konzerten und eines Musikfilm-Drehs wurden wir vor eine neue Herausforderung gestellt. Wir haben uns angesehen, was sich in dieser Ausnahmesituation hinter den Kulissen abgespielt hat und stellen fest: Krise? Bewältigen wir! Nicht zuletzt dank unseres wundervollen Publikums. 

Techniker:innen auf Leitern in schwindelerregender Höhe, Mikrofone an über die Bühne gespannten Seilen und von der Decke hängende Lichtstrahler, die das Orchester Recreation in königliche Blautöne hüllen: Eine Generalprobe, die ganz schön an die Kulisse eines Filmdrehs erinnert. Und ein solcher war ja auch geplant. Zusätzlich zu den vier „normalen“ Aufführungen von Gershwin sollte nämlich auch noch eine fünfte kommen, während der ein Musikfilm mit dem Orchester Recreation unter der Leitung von Dirigentin Daniela Musca gedreht werden sollte.  

„Oh nein! Das ist wirklich sehr schade, ich habe mich schon sehr auf die Konzerte und Aufnahme gefreut ...“ – Orchestermitglied 

Acht Stunden vor der Premiere von „Gershwin“ wurde bei der Generalprobe im Stefaniensaal noch der lächelnde Klang des Komponisten aus Brooklyn verbreitet, der uns gedanklich in die USA der 1920er- und 30er-Jahre versetzte. Zwei von vielen Highlights: ein Banjo im Orchester und Philipp Scheucher am Flügel. Um 13:45 Uhr, eine Stunde nachdem die Generalprobe beendet wurde, dann die unerfreuliche Nachricht. „Aufgrund eines Corona-Falls eines Bläsers im Orchester muss die Produktion GERSWHIN abgesagt werden.“ Die Reaktion vom Orchester: geknickt, aber verständnisvoll. Die Erkenntnis im Hause Styriarte: Eine Produktion abzusagen ist genauso intensiv, wie eine auf die Beine zu stellen. Vielleicht sogar intensiver, denn geprobt werden konnte so eine Ausnahmesituation (zum Glück) noch nie. 

„Zuerst haben wir alle angerufen, von denen wir keine Mailadresse hatten, dann jene, die eine weite Anreise gehabt hätten.“ – Margit Kleinburger, Leitung Kartenverkauf 

Im Hause Styriarte wurde aber blitzschnell reagiert, um keine Zeit zu verlieren, und es wurde gezeigt, dass Service und Glück auch in einer Krisensituation an vorderster Stelle stehen. Innerhalb weniger Stunden galt es am Montag 500 Kund:innen persönlich zu kontaktieren, um sie über die abgesagten Konzerte zu informieren. Die Stärke des Teams liege aber glücklicherweise darin, effizient und fokussiert zu arbeiten, so Katharina Schellnegger, Zuständige für Service & Veranstaltungsdramaturgie. Wie bei Einsatzkräften wurde nur mehr das Nötigste kommuniziert, um das Unmögliche möglich zu machen. Bis spät abends wurde im Kartenbüro am Montag und Dienstag mit jeweils 500, am Mittwoch mit 250 Kund:innen telefoniert, woran das Team letztendlich sogar Spaß fand.  

Patrizia Zechner am Telefon im Styriarte Kartenbüro

Patrizia Zechner am Styriarte-Kartenbüro Telefon

„Viele Leute freuten sich über einen Anruf aus dem Kartenbüro, da wurde dann schon öfter länger getratscht. Jemand hat mir erzählt, dass er sich gerade mit ‘Porgy & Bess’ auf das Konzert einstimmte, und viele wünschten den Musiker:innen gute Besserung. Die Reaktionen waren so nett und verständnisvoll, die Konzerte bedeuten den Menschen sehr viel“, erzählt Margit Kleinburger. Und auch hier sei es wichtig, das beste Service zu liefern; so gibt es für alle stornierten Karten natürlich einen Gutschein oder das Geld zurück. „Es gibt in jeder Krise auch eine positive Seite. Ohne diese hätten wir nicht so viele Gespräche mit den Menschen führen können“, sieht Katharina Schellnegger eine Chance in der Not.

„SEHR SCHADE! … würde am liebsten weinen. Ganz ehrlich! Es ist alles so verrückt.“ – Orchestermitglied 

Und im Orchester? Da war die Enttäuschung natürlich groß. Für Gertraud Heigl aus dem künstlerischen Betriebsbüro galt es dann die Rückgabe von Noten zu organisieren, auf der Bühne stehen gebliebene Ständer und Dämpfer für ihre Besitzer:innen aufzusammeln und die Abholung von Fräcken aus dem Stefaniensaal zu arrangieren. „Die Musiker:innen waren traurig und geschockt; vor allem nachdem auch die Filmaufnahme abgesagt wurde“, erzählt Lisa Kaufmann, Inspizientin des Orchesters Recreation. Viele der Musiker:innen sowie auch Dirigentin Daniela Musca waren aus dem Ausland angereist, um fünf wunderschöne Konzerte im Stefaniensaal zu spielen. Und zusätzlich zum organisatorischen Aufwand, wie der Retournierung der Instrumente, des Informierens von Klavierstimmer und Personal, und des kurzfristigen Koordinierens von Abbauarbeiten, fallen dann natürlich trotzdem auch Kosten an. Weshalb das Hause Styriarte umso dankbarer ist für den Schutzschirm des Bundes, von dem Ausgleichshonorare an die Musiker:innen bezahlt werden können.

„Außerdem wollte ich mich noch einmal herzlichst bedanken, dass ich beim Projekt mitmachen durfte. Ich wollte schon seit langer Zeit im Recreationsorchester mitspielen, deshalb bedeutet es mir sehr viel.“ – Orchestermitglied 

Die Absage von „Gershwin” hat uns bestimmt einiges über organisatorische Abläufe in einer Notsituation gelehrt. Was es uns aber auch gelehrt hat: What goes around, comes around. Dass Service für unsere Gäste ein zentraler Punkt in der Philosophie des Hauses Styriarte bleibt, daran wird konstant gearbeitet. Doch durch die unzähligen unterstützenden Reaktionen der Kund:innen, das Verständnis der Musiker:innen und den wieder einmal neu entfachten besonderen Teamgeist im Hause Styriarte, durften wir selber diese kleinen Glücksmomente spüren, für die wir Konzerte veranstalten. Und Gershwin erleben wir dann eben in der nächsten Saison 😉. 

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