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Lichtblicke & Sternstunden

styriarte Team, auf bunten Quadrate, von oben
© Matthias Wagner

Text und Fotos: Matthias Wagner

Fux, Vivaldi, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Haas. Alles Lichtblicke. Bernardini, Orozco-Estrada, Hofstetter, Miyus, Aimard, Glemser, Luis. Noch mehr Lichtblicke. Und dann wären da noch die, deren Namen unser verehrtes Publikum (noch) nicht kennt. Die Kolleg*innen im Hause styriarte, das in diesen Wochen summt und wurlt wie ein Bienenschwarm, immer hübsch nach den Corona-Distanzregeln, aber unverdrossen – und seeeehr harmonisch, fast so wie die überirdischen Tremoli im ersten Satz von Schuberts G-Dur-Streichquartett.

PARKPLATZHELD*INNEN

Sie sind die Lichtblicke, die menschlichen, ohne die wir unsere Voll- und Halbgötter nicht erleben könnten. Sie trotzen, wenn es sein muss, Sturm und Wetter, um unsere Gäste sicher in die Helmut List Halle zu geleiten. Und ja, so ein Parkplatzdienst kann hart sein. „Ich hab schon eine Regenjacke und einen Poncho angehabt, aber das Wasser ist waagerecht dahergekommen, da hilft das auch nicht mehr viel“, erzählt Natalie Ciprian, und auch Kollege Paul Sinabell ist schon patschnass geworden, knöcheltief im Gatsch gestanden. „Der Blitz war mir dann schon wurscht, der Science Tower ist eh höher.“ Den Schirm hat er gehalten, so lange es gegangen ist, damit die Gäste halbwegs trocken bis zur Tür kommen.

Natalie Ciprian weist den Weg am Parkplatz
© Matthias Wagner

Paul Sinabell vor dem Science Tower
© Matthias Wagner

AUFBAUHELD*INNEN

Das Wetter ist unberechenbar in diesem Sommer, das macht unsere improvisierte Spezial-styriarte noch eine Spur abenteuerlicher. Besonders intensiv studieren natürlich Matti Kruse (Technisches Veranstaltungsmangement) und sein Technikteam die Wetterprognosen, auch wenn der Glaube mitunter schon fehlt. Wir spielen zwar fast immer in der Helmut List Halle dieses Jahr, aber ganz wollen wir doch nicht verzichten auf die Außenstationen.

Dann flitzen unsere Kolleg*innen hin und her, zum Beispiel mit dem superleisen Elektroauto, das im fröhlichsten Grün vor dem Backstage-Eingang für Notfälle bereit steht. Einer der Chauffeure für alle Fälle ist Bernd Wanderer, sonst meist „Mädchen für alles“, wie er grinsend sagt. Dann gilt es, die Roll-Ups unserer Sponsoren zu platzieren, Lichter zur Orientierung im Freien zu organisieren – und natürlich Instrumente zu tragen. „Cembali und Hammerflügel sind mir die liebsten“, sagt Bernd mit einem Augenzwinkern. Ab und zu, wenn wieder ein Weltuntergang niedergeht über dem Bahnhofsviertel, springt er auch am Parkplatz ein, „als Rettungsschwimmer“.

Matti Kruse & Bernd Wanderer in der Werkstatt
© Matthias Wagner

ZITTERN UMS FINALE

Die geliebten Landpartien nach Stübing sind fast ganz trocken geblieben, Wettergottseidank. Im Moment natürlich zittern Matti und die Seinen auf das große Finale hin, auf die Feuerwerksmusik im Schloss Eggenberg. Der Aufwand für den Aufbau ist durchaus erheblich und dauert ganze vier Tage. Schließlich wird eigens eine Bühne in den Schlosshof hineingezimmert, dazu brauchen wir 250 Sessel, und Teppiche zum Drunterlegen, damit der kostbare Murnockerlboden nicht beschädigt wird.

#ZEITFÜRPUBLIKUM

In der Helmut List Halle bleiben die Sessel stehen, das ganze Festival über. Damit unser Publikum sich sicher fühlen kann, werden sie vor jeder unserer drei täglichen Vorstellungen desinfiziert. Das Saal-Team, das dafür zuständig ist, achtet auch darauf, dass die Gäste ihre Plätze finden und dass die Abstände gewahrt werden. Schließlich haben wir nicht umsonst unsere alten Fahnen recycelt und als farbenprächtige Beistelltischchen zwischen die Sitze platziert. Fußfrei für alle, auch das ist eine Folge von Corona.

Und meistens sind die Reihen voll, dann sammeln sich immerhin 250 Menschen im Foyer zu den köstlichen Vorspielen. Schon 90 Minuten vor der ersten Vorstellung versammelt sich das Konzertteam, um von unserer Veranstaltungsmanagerin Enya Reinprecht die aktuellsten Instruktionen zu bekommen. Schließlich ändern sich die Aufgabenstellungen je nach Konzert, schließlich ist draußen nicht immer eitel Sonnenschein, schließlich findet Enya immer noch ein kleines Stellschräubchen, das im Dienste der Corona-Sicherheit und des Glücks aus dem Hause styriarte nachgedreht werden kann.

Teambesprechung im Freien
© Matthias Wagner

Margit Kleinburger an der Kartenkasse mit Publuikum im Foyer der List Halle
© Matthias Wagner

LENA UND DIE DRAHTESEL

Deshalb haben wir ja auch zwei komplett getrennte Konzertteams im Einsatz, die sich von Tag zu Tag abwechseln. Innerhalb der Teams dreht sich das Dienstradl munter weiter, zum Beispiel der Wachdienst bei unserer superschicken Fahrradgarderobe, da darf natürlich kein Drahtesel wegkommen. Die meisten Gäste sperren ihre Räder ohnehin ab. Und wenn sie es nicht tun? „Dann merk ich mir ihr Gesicht, damit ich weiß, welches Rad zu ihnen gehört“, sagt Lena Truppe, die an einem schönen Mittwochabend Wache schiebt. Aha. Fahrraddiebe dieser Stadt, vergesst es einfach.

Lena Truppe bei der Fahrradgarderobe, lächelt in die Kamera
© Matthias Wagner

PIET MONDRIAN UND DIE BABYELEFANTEN

Damit wir alle Gäste möglichst sicher herein- und hinausgeleiten, hat unsere Veranstaltungsdramaturgin Katharina Schellnegger ein ziemlich schlaues Sicherheitssystem entwickelt, samt Einbahnsystem, bei dem sich die verschiedenen Gästescharen nie in die Quere kommen. Dazu gehört auch eine Maskenpflicht am Eingang, dazu gehören unsere hübsch bunten Mondrian-Babyelefanten als Abstandhalter im Foyer. Und natürlich die Kolleg*innen, die nie ihre entwaffnende Freundlichkeit verlieren, Karten kontrollieren, Programmhefte austeilen, immer ein offenes Ohr haben und eine Lösung, für jeden drückenden Schuh. Beglückend sind die Rückmeldungen unseres Publikums zur Qualität unseres Service, das macht uns schon ein bisserl stolz, aber hauptsächlich dankbar.

styriarte Team, auf bunten Quadrate, von oben
© Matthias Wagner

WO DIE MUSI SPIELT

So fröhlich-freundlich es auch zugeht im Foyer, so beliebt sind dann doch die Dienste im so genannten B-Teil, im Konzertsaal. Weil dort nun einmal die Musi spielt, die göttliche. Damit die Musi überhaupt auf die Bühne kommt, greifen die Rädchen eng und perfekt ineinander geschmiert und gewartet von Backstage-Managerin Lisa Kaufmann. Sie empfängt dort auch unsere Künstler*innen, die von unserem Fahrer Bernd Birnbauer immer pünktlich zu den Proben und Konzerten in die Helmut List Halle gebracht werden – und nach den Marathon-Konzerten wieder ins Hotel.

Obwohl Lisa nur zehn Meter Luftlinie hinter der Bühne sitzt, hört sie die Musik nur über Lautsprecher. Schon hart irgendwie, aber besser als gar nicht, zumal der Sound exzellent ist, nicht nur im Saal selbst, wo Alexander Lackner und Michael Oberrauter an den Reglern sitzen, ganz hinten oben am Juchhe.

Laura Hanetseder verteilt Programmhefte
© Matthias Wagner

© Matthias Wagner

Backstage: Künstlerinnen und Lisa Kaufmann
© Matthias Wagner

THE STREAM TEAM

Zusätzlich schneidet der ORF unsere Konzerte mit, zum einen für seine Rundfunkübertragungen, zum anderen für unsere Konzert-Streams, die wir heuer organisiert haben für all jene Musikfreunde, die wegen Corona – oder auch aus anderen Gründen – doch lieber daheim bleiben. Das Audiosignal kommt auf magischen Wegen zu unserem Stream Team, das unser bewährter Filmpartner Roland Renner leitet. Er selbst, Andreas Ruhs und Paul Pichler stehen im Saal an den Kameras, liefern herrlich plastische Bilder, wahrlich musikalische Bilder, auch dank der wundervollen Lichtregie von Thomas Bernhardt, ja so heißt er wirklich.

Alexander Lackner am Mischpult
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Bildregie-Team vor Bildschirmen
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Roland Renner hinter der Kamera mit Publikum in Hintergrund
© Matthias Wagner

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DIE 3 DURCHBLICKERINNEN

Im Revisionsgang über dem Saal hat sich die Regie eingerichtet, mit den Bildtechnikern Alois und Johannes Trummer und Bildregisseur Martin Steffens. Es gibt keine Besseren, hört man aus bestinformierten Kreisen, da sitzt jeder Schnitt auf dem Punkt, immer gerade einen Atemzug vor der nächsten Phrase, dem nächsten Wundersolo. Den musikalischen Durchblick hat im Stream-Team Gertraud Heigl, mit den Partituren vor der Nase. Sie weiß genau, wann das Sopransolo beginnt, wann die Primaria ihre Turnübung in der zwölften Lage in Angriff nimmt, und wir sind am Bildschirm atemberaubend nahe dran, fast so nah wie Başak Özay, die Dame mit dem Mund-Nasen-Schutz, die die Noten umblättert, wenn Halbgötter wie Aimard oder Birsak am (Hammer-)Flügel sitzen.

Und noch eine dritte Kollegin gibt es, die jede Note kennt, obwohl sie keinen Ton spielt. Unsere Gäste gehen vor jedem Konzert an ihr vorbei. Amelie Schneider heißt sie, und ihr Job sind die Übertitel. Das ist nicht immer so stressig wie bei den Opernabenden mit Fux und Mozart, aber tricky kann es doch auch sonst werden, da ist ein genaues Studium der Partituren Voraussetzung. Auch Amelie hört jedes Programm dreimal, und sie mag es. „Man entdeckt immer wieder neue Details, das ist schon cool.“ Ihre Einblendungen versucht sie so zu timen, dass sie zwar im perfekten Moment da sind, aber nicht auffallen.

Da sein, ein Lichtblick sein, nicht auffallen, im Dienst der Kunst. Irgendwie ein schönes Bild für alles, was den Bienenschwarm styriarte ausmacht in diesen aufregenden, anstrengenden, beglückenden Wochen. Wir summen fröhlich weiter.

Bild- und Tonregie
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links Başak Özay, Pierre-Laurent Aimard am Klavier
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Amelie Schneider schreibt in Unterlagen vor Bildschirm
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