Verwandelt

Die styriarte 2019 zieht Bilanz

VERWANDELT – was für ein sinnstiftendes Motto für die styriarte 2018, die sich selbst mitten im Wandlungsprozess hin zu einem noch innovativeren, noch breiter aufgestellten Sommer-festival befindet. Ovids „Metamorphosen“ gaben dabei den Takt vor, und die 2000 Jahre alten Geschichten über die ständigen Veränderungen allen Lebens erwiesen sich als ganz und gar aktuelle, an die Kernthemen der Gegenwart rührende Fundgrube voller Weltwissen.

Unmittelbar kenntlich wurde das am Hauptprojekt der heurigen styriarte, dem zweiten FUX-Opernfest, das diesmal die „Dafne in Lauro“ des bedeutendsten österreichischen Barockmeisters präsentierte. Mit einem gefeierten Sängercast aus Barockspezialisten, mit dem ebenso tiefenschürfenden wie quicklebendigen Orchester Zefiro unter Alfredo Bernardini und einer Inszenierung von Wolfgang Atzenhofer (Regie), Jörg Weinöhl (Choreographie), Max Kaufmann (Video) und Lilli Hartmann (Ausstattung) gelang ein überaus schlüssiger Brückenschlag zwischen höfischer Festoper und den aktuellen Fragen um Klimakrise und Umweltzerstörung. Das große Vorhaben der styriarte, den zu Unrecht vergessenen steirischen Meisterkomponisten Fux in einem sechsjährigen Zyklus zum Dreh- und Angelpunkt des Festivals zu machen, nahm damit weiter Kontur an und erwies sich als überaus lohnende Investition.

Neue Wege beschritt die styriarte auch im weiteren Ausbau von ungewöhnlichen musikalischen Ereignissen, die das Format des klassischen Konzertes weit hinter sich lassen und stattdessen neue, ungewöhnlich Wege beschreiten. Ob das umjubelte Programm mit dem von Bodypainting-Weltmeisterin Birgit Mörtl bemalten und ausgestatteten Ensemble Fetish Baroque mit anschließendem Clubbing die Menschen durch die Nacht tanzen ließ, ob das styriarte-Jagdfest in Schloss Stainz das Publikum schon am frühen Morgen mit Jagdhornschall rief, ob Andrés Orozco-Estrada und das neu aufgestellte und zukunftsweisende styriarte Festspiel-Orchester das Publikum über die Interpretation von Beethovens „Eroica“ abstimmen ließ, ob das Fest in Eggenberg das Weltkulturerbe zur „Schule der Liebe“ umwandelte oder Stefan Gottfried seine Interpretation von Bachs „Brandenburgischen Konzerten“ mit dem Concentus Musicus Wien in Einspielfilmen aus eben jenem Schloss erläuterte: Immer wieder wurden die Grenzen des Konzertes zu anderen Künsten und anderen Vermittlungsformen überschritten.

Besonderen Eindruck machten dabei die vielen neuen Formate, die ganz direkt Musikvermittlung neu angingen: ob für Kinder mit „Fux, du hast den Tanz gestohlen“ oder für Erwachsene in den neuen styriarte Salons, in denen Intendant Mathis Huber und seine Gäste Kammermusik unter die Lupe legten, ob in den „Morphing“-Abenden, in denen alte und aktuelle Musik einander befruchteten, oder gar in der styriarte.FABRIK, der Komponierwerkstatt für ganz junge Talente, geleitet von Helmut Schmidinger.

Auf der anderen Seite gab es in der styriarte auch länger vermisste Programmpunkte in neuem Gewand: Herausragend dabei die endgültige Wiedergewinnung der Pfarrkirche Stainz, in der Nikolaus Harnoncourt seine legendären Klassik-Hochämter zelebrierte. Unter Maestro Andrés Orozco-Estrada spielten der Concentus Musicus Wien und der Arnold Schoenberg Chor Schuberts Messe in Es, D 950 – und das Publikum war überglücklich. Und natürlich ließen sich auch styriarte Stammgäste von Motto zu aufsehenerregenden Programmen inspirieren, wie Pierre-Laurent Aimard mit einer Exegese von Bachs „Goldbergvariationen“ und der unvergleichliche Jordi Savall mit einer mittelalterlich-musikalischen Forscherreise in den Tiergarten der Bibel und einem überwältigen Orchesterprogramm zu Shakespeares Theaterstücken. Und wer sich ganz und gar „unklassisch“ unterhalten lassen wollte, kam bei den akklamierten Abenden mit Klezmermeister Giora Feidman oder den quicklebendig durch die Genres vagabundierenden Eddie Luis und seinen Gnadenlosen ganz auf seine/ihre Kosten.


Die styriarte 2019 in Zahlen

55 Veranstaltungen aus 32 Projekten standen von 21. Juni bis 21. Juli auf dem Programm der „Verwandelt“-styriarte 2019.

Die styriarte 2019 lief in einem Budgetrahmen von rund 2,7 Mio. EUR, wovon etwas weniger als 50 % durch Karten- und Sponsorerträge vom Festival selbst erwirtschaftet wurden. Mehr als 30.000 BesucherInnen bescherten der styriarte einen Brutto-Kartenertrag von mehr als EUR 1,2 Mio und damit auch eine Auslastung jenseits von 90 %.

Unsere 281 aufgelegten Restplatzabos (166 à 5 Konzerte und 115 à 8 Konzerte) wurden komplett ausverkauft. Unser junges Kartenangebot, 50%-Preis für Leute U 27, findet auch immer mehr AbnehmerInnen: 694 BesucherInnen haben dieses Angebot angenommen, fast um 50 % mehr als im Vorjahr.

Als Hauptsponsor ist der Raiffeisen-Landesbank Steiermark zu danken, als Subventionsgeber dem Land Steiermark, der Stadt Graz und dem Bundeskanzleramt, Sektion Kunst.

15 Veranstaltungen wurden vom ORF Hörfunk aufgezeichnet und ausgestrahlt und auch über die EBU in die ganze Welt (vorerst sind es 19 EBU Stationen, die die Konzerte übernehmen) geschickt. Die ORF Steiermark-Klangwolke am 20. Juli, „Brandenburgische Konzerte“, wurde in der ganzen Steiermark an ca. 25 öffentlichen Plätzen gehört und in ORF III ausgestrahlt. 3sat sendet die Konzertübertragung am 10. August um 23.15 Uhr.

2020 findet die styriarte von 19. Juni bis 19. Juli statt und wird unter dem Motto „Geschenke der Nacht“ ein Programm rund um die Fux-Oper „Die Geschenke der Nacht“ („Gli ossequi della notte“) präsentieren.

 

 

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