Chronik

Die vergangenen styriarte-Jahre
2008
„Alles fließt“ - in der styriarte 2008 präsentierte Nikolaus Harnoncourt ein „Jahrhundertereignis“ (Frankfurter Rundschau): Mozarts „Idomeneo“ endlich so auf die Bühne zu bringen, wie es der Komponist bei der Uraufführung vorgehabt hat, war Nikolaus Harnoncourts Anliegen. Dafür hat er selbst auch auf dem Regiestuhl Platz genommen und mit Unterstützung eines sensationellen Teams erreicht, was er sich vorgenommen hatte: eine Inszenierung von Mozarts großer Oper ganz aus dem Geist der Musik zu schaffen, mit dem unvergleichlichen Klang des Concentus Musicus, den in jeder Rolle ideal auf Weltniveau besetzten Solisten und dem Arnold Schoenberg Chor sowie der Zürcher Ballettcompagnie von Heinz Spoerli.

Großleinwände im ganzen Land transportierten Nikolaus Harnoncourts zweite Mozart-Exegese, die „Krönungsmesse“ als Klangwolk“ ganz unmittelbar zu jedermann. Und überhaupt war das niedrigschwellige Angebot für alle, die noch Klassikfans werden wollen, wieder ein besonderes Anliegen der styriarte. Sowohl das Eröffnungskonzert auf dem Hauptplatz mit den riesig besetzten orchestralen Meeresmusiken und recreation - GROSSES ORCHESTER GRAZ als auch die avancierte Uraufführung von Christian F. Schillers musikalischer Aktion „flussleere“ unter der Murbrücke zum Festivalausklang waren kostenlos zu besuchen. Und von „Am Brunnen vor dem Tore“ in Schloss Ottersbach bis hin zum „Jungbrunnen“ in Bad Gleichenberg in Zusammenarbeit mit dem Festival „regionale08“ erkundete die styriarte auch heuer wieder die Regionen der Steiermark abseits der Metropole.

Jordi Savall und Hespèrion XXI entwarfen ein Panorama der Musik der Kulturen des Mittelmeerraumes und brachten damit noch einmal auf den Punkt, was die gesamte styriarte ausmacht: Die alte Musik ist weder alt noch vergessen. Sie führt an die Wurzeln unserer Kultur. Und diese müssen wir kennen, um in der Gegenwart angemessen und rücksichtsvoll leben zu können. Die styriarte 2008 erreichte mehr als 30.000 Besucher und damit wie üblich eine Auslastung klar über 90%. Mit einem Bruttokartenertrag von EUR 1.310.000 wurden planmäßig die höchsten Karteneinnahmen seit jeher erreicht.
2007
Für 40 Konzerte in vier Wochen lud die styriarte 2007 unter dem Motto „Wanted: Europa“ auf die Suche nach Europa ein. Und ihr Publikum folgte enthusiastisch. Nikolaus Harnoncourts künstlerische Konzentration auf die styriarte zeitigte überwältigende Ergebnisse. Sein Einsatz für Beethovens einziges Oratorium „Christus am Ölberge“ mit dem Concentus Musicus Wien war Offenbarung und längst fällige Revision kaum überprüfter musikwissenschaftlicher Vorurteile, seine Interpretation von Haydns „Jahreszeiten“ eine selten erlebte Sternstunde musikantischer Deutungskraft. Und der Eröffnungsabend mit Beethovens Messe C-Dur und der Symphonie Nr. 5 mit dem Chamber Orchestra of Europe wurde zu Recht als furioser Höhepunkt von Harnoncourts jahrzehntelanger Beethoven-Deutung empfunden. Nicht zuletzt auch, weil es durch die erste ORF-Klangwolke gelang, Zuschauer und Zuhörerinnen auch außerhalb der Konzertsäle zu erreichen und zu begeistern. Die Klangwolke gelangte via ORF und 3sat auch an Zuschauer über die nationalen Grenzen hinaus. Und der „European Song Contest“ wurde durch die Beteiligung der Radio-Steiermark-Hörer zu einem interaktiven Ereignis.

Thematisch besonders wichtig waren 2007 die styriarte-Erkundungen über Kultur an den Rändern Europas und in der Tiefe der Geschichte. Die Serie mit rarer europäischer Musik von der Rekonstruktion altgriechischer Klänge über die Musik der Wikinger bis hin zur „Musik der Ureinwohner“ eröffnete bisher unerhörte Erkenntnisräume und wurde begeistert angenommen. Als schließlich zum Finale drei Chöre, Solisten und recreation - GROSSES ORCHESTER GRAZ unter Andrés Orozco-Estrada auf der restlos ausverkauften Grazer Kasemattenbühne das Finale von Beethovens Symphonie Nr. 9 – die offizielle „Europa-Hymne“ – anstimmten, ging ein von Aufbruchsstimmung geprägtes Festival zu Ende.

Auslastung 93%. 15 Produktionen des Festivals gingen über die Stationen der EBU in die Welt. Mit sechs gewichtigen Vorstellungen ging die styriarte 2007 aufs Land, darunter erstmals ins Museumsdorf in Stübing.
2006
Im Mozartjahr 2006 erhält bei der „Endlich glücklich“-en styriarte ein zweiter Jahresregent große Bühne: Robert Schumann. Seiner monumental-großartigen „Faust-Szenen“ nimmt sich Nikolaus Harnoncourt an und gestaltet mit dem Chamber Orchestra of Europe „ein feinnerviges Seelengemälde in schillernden Farben“ (Martin Gasser, Kronen Zeitung). Als großer Glücksgriff entpuppt sich der den Faust von Bariton Christian Gerhaher. Harnoncourts zweites Projekt in diesem Jahr in der barocken Stainzer Kirche widmet sich dem nachirdischen Glück in zwei Kantaten J. S. Bachs. Der Concentus Musicus Wien „fasziniert mit subtilen Farbnuancen, pulsierender Lebendigkeit, tänzerischem Elan, sensibler Klangschönheit und virtuosen Soli.“ (Ernst Naredi-Rainer, Kleine Zeitung)

Einigen Komponisten folgt die styriarte an Orte, wo sie ihr Glück fanden: Mozart nach Prag, Chopin auf Mallorca, Haydn nach London oder Schubert ins Schilcherland. Die Glücksgöttin „Fortuna“ findet sich im Programm wieder (Elisabeth von Magnus belebt Songs von Gershwin, Berlin und Porter; Mozart, der Spieler, wird von Eszter Haffner porträtiert), das Glück von Hochzeitern (jüdischen mit David Orlowskys Klezmorim und habsburgischen mit Lorenz Duftschmid) aber auch die große Liebe. Pierre-Laurent Aimard beschert in Klaviermusik-Kinderzyklen „Glückes genug“ und holt zum zweiten Streich aus: Er präsentiert wieder zwei Klavierkonzerte Mozarts als Pianist und Dirigent des Chamber Orchestra of Europe in Personalunion. Dem österreichisch-ungarischen Komponisten Iván Eröd widmet die styriarte zum 70er eine Personale. Jordi Savall beschließt auch das 2006er Festival: mit einer fulminanten musikalischen Spurensuche in Cervantes‘ „Don Quijote“ und zum festlichen Ausklang mit Joseph Haydns Hit, den „Jahreszeiten“.

Die Auslastung der styriarte 2006 lag bei 86%, angesichts der Konkurrenz aus Fußball WM und Salzburger Medienhype um Mozart ein achtbares Ergebnis.
2005
Die styriarte 2005 unter dem Motto „Sinnlich“ startet mit einer in der internationalen Presse bejubelten szenischen Opernproduktion: Nikolaus Harnoncourt und Andrea Breth bringen Bizets „Carmen“ auf die Bühne der Helmut-List-Halle. Nora Gubisch und Kurt Streit in den Hauptrollen erregen ebenso Aufsehen wie die Solisten in der zweiten Harnoncourt’schen Opernproduktion der styriarte 2005: Patricia Petibon, Werner Güra, Michael Schade und Christian Gerhaher werden in der konzertanten Aufführung von Haydns „Orlando Paladino“ vom Concentus Musicus Wien brillant begleitet. Nikolaus Harnoncourt präsentiert außerdem zwei weitere schillernde Männergestalten: Egmont in Beethovens Schauspielmusik und den reuigen David in Mozarts Kantate „Davidde penitente“.

Einen Schwerpunkt der diesjährigen styriarte bilden sinnliche mediterrane Panoramen, in denen etwa die Familie Savall spanischen Folias nachspürt, oder Il Giardino Armonico und La Venexiana Werke von Vivaldi und Monteverdi präsentieren. „Sinnlich“ ist auch wortwörtlich zu verstehen – das Publikum der styriarte 2005 feiert, begleitet von Gaumenfreuden der besonderen Art, Feste mit Händel und Rossini, begleitet Bach ins Kaffeehaus und Orlando di Lasso in den Weinkeller. Den fulminanten Schlusspunkt des Festivals bildet einmal mehr Jordi Savall – 2005 mit Bachs h-moll-Messe in der barocken Stiftskirche von Pöllau.

Für die 38 Produktionen dieses Jahres, die in 52 Vorstellungen präsentiert wurden, waren rund 33.000 Karten aufgelegt, von denen mehr als 30.000 verkauft wurden, was zu einer Auslastung jenseits der 90%-Marke führte (Kartenertrag: 1.300.000 EURO).
2004
Unter dem Motto „Von Zeit zu Zeit“ bewegt sich die styriarte 2004 klangvoll durch die Zeiten der Musik. Der Gotteszeit zollt Nikolaus Harnoncourt Tribut mit Bibers f-Moll Requiem in Stainz und mit der fulminanten Interpretation von Telemanns Endzeitvision „Der Tag des Gerichts“. Der Star der styriarte bringt mit dem Tripelkonzert auch seine Aufführung und Einspielung aller beethovenschen Klavier-Orchesterwerke gemeinsam mit dem Ausnahmepianisten Pierre-Laurent Aimard zu einem vielbejubelten Ende und bricht mit Schuberts Rosamunde eine Lanze für eine unterbewertete Schauspielmusik der Romantik.

Neben Biber wird auch der Jahresregenten Antonín Dvorák (Requiem) und Marc-Antoine Charpentier gedacht. Dessen „Canticum ad Beatam Virginem Mariam“ zelebriert der Katalane Jordi Savall mit seinen herausragenden Ensembles bei einer styriarte-Landpartie in Pöllau. Jordi Savall obliegt es auch, einen triumphalen Schlusspunkt an das Ende des Festivalkonzertreigens zu setzen: In der Basilika von Stift Rein wird die erste geistliche Oper, Emilio de Cavalieris „Rappresentatione di Anima e di Corpo“ aus dem Jahre 1600, in einer klaren Inszenierung berührend dargeboten.

Dazwischen liegen einige der beliebten und prächtigen styriarte-Feste, etwa eines zur „Vergänglichkeit“ im herrlichen Ambiente des Schlosses Eggenberg, eines „À la recherche du temps“ mit Pierre-Laurent Aimard als klugem Programmkoordinator und wunderbarem Interpreten. Geradezu überwältigend präsentiert sich das Angebot an barocken Orchestern und es fehlt auch nicht an außergewöhnlichen Projekten: darunter ein Rockmusikabend von Luca Pianca, Steve Reichs „Different trains“ mit dem Kronos Quartet oder der Beginn einer Aufführungsserie der Symphonien des weitgehend unbekannten sibirischen Komponisten Alexander Lokshin.

Noch mehr aufgelegte Karten als 2003 und ein Auslastungsergebnis von mehr als 90% sind deutliche Zeichen für den anhaltenden Erfolg des Festivals.
2003
Mit einer fulminanten szenischen Produktion, Offenbachs „Grande-Duchesse de Gérolstein“ unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt und in der Regie von Jürgen Flimm, feiert die styriarte 2003 „Die Macht der Musik“. Insgesamt steuert Nikolaus Harnoncourt fünf Projekte zur styriarte bei. Mit Pierre-Laurent Aimard bringt er das im Zyklus noch fehlende 1. Klavierkonzert von Beethoven auf die Bühne und beschwört mit einer Modellaufführung von Händels Alexanderfest das Motto von der Macht der Musik.
Zum ersten Mal lädt die styriarte zu einer ganzen Reihe von Festen: im Schloss Eggenberg trifft man sich bei „Don Giovannis Fest“ zu einem Festmahl an der Tafel des Verführers, dem Jahresregenten Hugo Wolf sowie dem mythischen Sänger Orpheus sind musikalische Feste gewidmet, im Stift St. Lambrecht erfährt man in einem intensiven Wochenende die „Harmonia Coelestis“ und schlägt sich beim „Tanzfest“ walzernd eine ganze Nacht um die Ohren. Gerd Kühr gilt eine zweiteilige Personale, gestaltet vom Arnold Schoenberg Chor und dem Orchester recreation. Jordi Savall beschließt die styriarte 2003 mit Monteverdis „Marienvesper“ im Prachtbau der Pöllauer Kirche. Für eine ganze Reihe von Veranstaltungen bewährt sich die neue Helmut-List-Halle, ein international hoch gelobter Bau mit formidabler Akustik, als Veranstaltungsort brillant. 30.000 Besucher und 1,1 Mio. EURO Kartenertrag bei 52 Veranstaltungen sprechen eine deutliche Sprache des Erfolgs.
2002
„...den Blick nach oben“ gerichtet, begibt sich die styriarte 2002 auf die Suche nach dem Göttlichen. Auf den Feldern von Drama, Gesang und instrumentalem Gebet zieht sie die Summe aus nach oben gerichteten Gesängen eines Jahrtausends. Nikolaus Harnoncourt findet diese bei Beethoven, Schubert und Haydn, mit dessen Heiligmesse er seine sechsjährige Beschäftigung mit den Glaubensnöten des alten Haydn in revolutionärer Zeit zu einem Schlusspunkt bringt. Das Festspielhaus in der Tramwayremise dient wiederum als Opernbühne: Die zweite Generation Harnoncourt präsentiert J. A. Hasses Dreipersonenstück „Piramo e Tisbe“. Auf dem Grazer Schloßberg erklingt das Panorama der Grazer Glocken, von Florian Geßler zu einem Klangereignis komponiert. Mehrmals begibt sich die styriarte auf Wallfahrten: mit dem Märchenerzähler Helmut Wittmann zum slowenischen Wallfahrtskirchlein Sveti Duh, mit Lorenz Duftschmid und seinem Armonico Tributo auf den Weizberg und mit Jordi Savall in die Stiftskirche Seckau. Ein fünfteiliger Konzertzyklus, „Nachtzeit bei den Minoriten“, wirft mit jungen Komponisten zu später Abendstunde einen ganz besonderen Blick nach oben. Und Händel kommt gleich zweimal zu Wort: einmal mit seinem Jugendwerk „La Resurrezione“, interpretiert von Il Giardino Armonico, und zum Abschluss der styriarte mit seinem „Messiah“, den der Arnold Schoenberg Chor und Concerto Köln erklingen lassen. Rund 25.000 Besucher bescheren der styriarte wieder ein Plus von 9 Prozent und Einnahmen von rund 780.000 Euro.
2001
Der Gegenpol zu Babel, Utopia, ist das Ziel der styriarte-Reise 2001. Unter dem Motto „...in eine bessre Welt entrückt“ spinnt das Festival Fäden aus dem Babel-Themenkreis weiter und bringt Utopien der Menschheit zum Klingen. Nikolaus Harnoncourt setzt sein Donaumonarchie-Projekt fort (Dvo?ák, Bartók, Beethoven) und setzt Maßstäbe mit seiner erstmaligen Interpretation des Verdi-Requiems. Viktor Ullmanns im Lager Theresienstadt komponierte Oper „Der Kaiser von Atlantis“, inszeniert von Christian Pöppelreiter und unter der musikalischen Leitung von Peter Keuschnig, wird im in einer Tramwayremise errichteten Festspielhaus zu einem ungemein berührenden Manifest der Hoffnung auch im Angesicht des Todes. Der österreichische Komponist Gösta Neuwirth steht im Mittelpunkt einer Personale, die das Klangforum Wien und der Arnold Schoenberg Chor gestalten. Einige Vorstellungen der styriarte 2001 müssen wegen der großen Nachfrage wiederholt werden. So auch ein Beethoven-Klavierabend des herausragenden Grazer Pianisten Markus Schirmer. Eine Reise der styriarte Landpartie führt ins obersteirische Benediktinerstift St. Lambrecht, wo für die Besucher in einer 20 Stunden dauernden Veranstaltung die Utopie des „Gottesstaates“ des Augustinus erfahrbar gemacht wird. In 44 Veranstaltungen erreicht die styriarte knapp 23.000 Besucher und Karteneinnahmen von annähernd zehn Millionen Schilling.
2000
Das Bild vom Turmbau zu Babel steht in der styriarte über der Frage nach dem Werden von Gesellschaften, nach dem Entstehen kultureller Vielfalt. Die styriarte erzählt unter dem Motto „www.babel.vg“ Geschichten vom Reichtum, der in der Begegnung unterschiedlicher Kulturen entsteht. Nikolaus Harnoncourt spürt dem Reiz der „Donaumonarchie“ nach, Jordi Savall dem multikulturellen Andalusien vor 1500, die Jazz Big Band Graz dem Schmelztiegel New York. Mit Händels „Agrippina“ in der Inszenierung von Christian Pöppelreiter setzt Il Giardino Armonico seine Karriere als Opernorchester der Extraklasse fort und entführt die styriarte-Besucher in einer ausrangierten Industriehalle ins Rom von Kaiser Nero. Eine vielversprechende Zusammenarbeit wird von der styriarte etabliert: Nikolaus Harnoncourt beginnt mit dem bis dahin als Interpret Neuer Musik bekannten französischen Pianisten Pierre-Laurent Aimard eine Aufführungsserie von Beethovens Klavierkonzerten.
1999
Unter dem Titel „Erklär mir, Liebe!“, einem Gedicht von Ingeborg Bachmann entnommen, sucht die styriarte 1999 nach Worten und Tönen der Liebe – vom hohen Mittelalter bis zur Gegenwart. Nikolaus Harnoncourt betritt in diesem Themenfeld unerwartet Neuland und stellt sich als Wagner-Interpret (Tristan, Tannhäuser) vor, kontrastiert durch ein denkwürdiges Brahms-Programm rund um die Liebesliederwalzer. Il Giardino Armonico, die italienische Kultformation, betritt ebenfalls Neuland mit ihrem ersten Opernengagement in einer szenischen Produktion von Claudio Monteverdis „Orfeo“ im Grazer Schauspielhaus. Jordi Savall rundet den Monteverdi-Schwerpunkt des Festivals mit dessen 8. Madrigalbuch ab. Mit einer dreiteiligen Personale stellt die styriarte das Werk des estnischen Komponisten Arvo Pärt vor. Das Festival dehnt sich auf 42 Veranstaltungen aus, für die 26.000 Karten aufgelegt werden.
1998
Die styriarte beginnt einen Themenzyklus, der sich auf die Spur der Ursehnsüchte der Menschheit und damit zugleich auf die Spur der Urmotive der Kunst begibt. „Verlorenes Paradies?“ – dieses Motto lässt die styriarte träumen: den Traum vom verlorenen Garten Eden und der Rückkehr dorthin. Mit Schumanns Oratorium „Das Paradies und die Peri“ stellt Nikolaus Harnoncourt ein weiteres Schlüsselwerk der Romantik in den Mittelpunkt der styriarte und bricht in diesem Jahr auch eine Lanze für den Operkomponisten Joseph Haydn - „Armida“ mit Cecilia Bartoli in der Titelrolle wird zu einem Höhepunkt des Festivals.
Franz Schubert. Aquarell von Wilhelm August Rieder. 1825, recreation-Orchester spielt Franz Schuberts Rosamunde-Ouvertüre und die Symphonie Nr. 10
1997
Die styriarte setzt ihre Klassikdiskussion fort und stellt die Ideen des Fragmentarischen und des Monumentalen einander gegenüber. Unter dem Motto „...aber noch viel schönere Hoffnungen ...“ (aus Grillparzers Grabrede für Franz Schubert) wird dieses Spannungsfeld mit einem Schwerpunkt auf Musik von Schubert und Brahms beschritten. Die Gesamtaufführung der Brahms-Sinfonien mit dem Chamber Orchestra of Europe einerseits und die Produktion von Schuberts Oratorienfragment „Lazarus“ andererseits, beides unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts, sind die markanten Eckpfeiler dieses Festivaljahres. Auf der Opernseite erregt die Uraufführung der unvollendeten Schubert-Oper „Der Graf von Gleichen“ in der Fassung von Richard Dünser Aufsehen. Erstmals wird die styriarte auf vier Wochen ausgedehnt und präsentiert 35 Veranstaltungen.
1996
Die styriarte präsentiert sich in neuem Design – wie das Motto dieses Jahres „Einfach klassisch“. Unter diesem Thema durchstöbert die styriarte den Begriff „Klassik“, der mitunter als bequeme Schublade für die gesamte europäische Kunstmusik dient. Nikolaus Harnoncourt betritt in Graz ganz neuen Boden. Er bricht eine Lanze für den Opernkomponisten Robert Schumann und interpretiert in Starbesetzung dessen Oper „Genoveva“. Die „Klassik“-styriarte erreicht eine Auslastung von 93%.
1995
Die elfte styriarte folgt den „Spuren des Mythos“ zwischen dem Römersteinbruch in Wagna, wo der Theatermagier Gigi Tapella den Dichter Ovid sucht, und Schloss Eggenberg, wo Thomas Höft das mythologische Programm des Bauwerks in einer musikalischen Wanderung greifbar macht. Nikolaus Harnoncourt setzt Maßstäbe der Schubert-Deutung mit dessen Messen in Es und As. Und er finanziert und ermöglicht damit ein styriarte-Kinderprojekt: Die Zauberflöte im Zirkuszelt, präsentiert von Kindern für Kinder. Der Umfang der styriarte hat mittlerweile über dreißig Vorstellungen in drei Wochen erreicht, die Karteneinnahmen überwinden die 6-Millionen-Marke.
1994
Das styriarte-Thema „Brüche und Brücken“ wirft ein Beziehungsnetz über die europäische Musik zwischen Ars Nova des 14. Jahrhunderts und Neuer Musik unserer Zeit, zum Beispiel in einer spannenden Begegnung des Hilliard-Ensembles mit Jan Garbarek (Gothic meets Jazz). Nikolaus Harnoncourt versammelt eine Starbesetzung für eine konzertante Fidelio-Produktion. Mozarts Schauspieldirektor wird im Stefaniensaal zum ersten gemeinsamen Projekt zwischen Josef Hader und Harnoncourt. Die styriarte-Karteneinnahmen klettern in diesem Jahr auf rund öS 5,7 Mio.
1993
Das styriarte-Thema dieses Jahres, „Raum und Klang“, wird für das steirische Festival eine spannende Herausforderung. Dieses styriarte-Programm ermöglicht es, das einmalige Ambiente der Landeshauptstadt in neuen Dimensionen wahrzunehmen, seien es die Kalvarienberg-Kirche, das Mausoleum oder andere prächtige Gefäße für edle Klänge. Jordi Savall ist mit seinen Ensembles erstmals zu Gast in Graz.
1992
Kein Jahresregent, sondern ein Thema prägt fernerhin die styriarte-Programme, diesmal: „Sommer Nacht Traum“. Im Zentrum stehen Mendelssohns Sommernachtstraum-Musik und seine Walpurgisnacht mit dem Chamber Orchestra of Europe, Purcells Fairy Queen mit dem Concentus Musicus, alle drei unter Harnoncourt. Und rundherum „eine phantastische nächtliche Reise vom Mittelalter bis in die Gegenwart“.
1991
Mit der Neunten wird Harnoncourts Beethoven-Zyklus von 1990 abgeschlossen. Der einstige Spezialist für Alte Musik nähert sich mit dem Chamber Orchestra of Europe in Graz dem Werk von Mendelssohn, neben Johann Joseph Fux dem Jahresregenten der styriarte 1991. Edita Gruberova löst mit Mozart-Konzert-Arien im Stefaniensaal Begeisterungsstürme aus. Vor Schloss Eggenberg besorgen Pferde mit einem barocken Rossballett den szenischen Part der styriarte. Mathis Huber verantwortet seit diesem Jahr das Festival als Intendant. Die Karteneinnahmen überschreiten mit öS 3,5 Mio wieder eine Millionengrenze.
1990
Beethoven regiert dieses styriarte-Jahr: Harnoncourt beginnt seinen legendären Zyklus aller Beethoven-Symphonien, der später als CD-Produktion der Teldec ungeheuren Erfolg haben wird und damit die styriarte in alle Welt trägt. „Der Ohrenmaschinist“, Gert Jonkes Beethoven-Stück, kommt als Auftragswerk der styriarte im Schauspielhaus heraus, das Orpheum wird als styriarte-Spielstätte eingeführt, aber vom Publikum nicht angenommen. Im Budget bleibt dem Festival wieder ein Loch, Christopher Widauer verlässt das Unternehmen.
1989
Für die styriarte ist das ein Mozart-Jahr. Nikolaus Harnoncourt erobert mit seinem Concentus Musicus und dem Arnold Schoenberg Chor die Stainzer Pfarrkirche als Aufführungsort für Mozarts Kirchenmusik. Aber mit dem Dreiklang Mozart-Stainz-Harnoncourt wird nicht nur ein styriarte-Mythos begründet, sondern auch eine Serie von einmaligen CD-Einspielungen bei Teldec. „Ein Fest für Mozart“ hat mit einer Freiluft-Produktion von „Il Re Pastore“ im Eggenberger Schlosspark das Zeug zum Klassiker, geht aber im Regen unter.
1988
Das Chamber Orchestra of Europe kommt im Schubert-Jahr der styriarte mit einer zyklischen Aufführung seiner Symphonien, natürlich unter Harnoncourt, nach Graz. Bis 1988 sind der Grazer Dom und die Mariatroster Kirche Harnoncourts Kirchenmusik-Spielstätten der styriarte. Die Auslastung und das Angebot des Festivals steigen, die Karteneinnahmen klettern auf rund öS 2,7 Mio. Dennoch: Andrea Herberstein verlässt das Festival nach diesem Jahr, als Programmleiter folgt ihr Christopher Widauer.
1987
Joseph Haydn ist der Jahresregent des Festivals, und erstmals leitet Nikolaus Harnoncourt das junge Chamber Orchestra of Europe. Die letzten sechs Londoner Sinfonien Haydns im Stefaniensaal werden damit zum Grundstein einer fulminanten künstlerischen Zusammenarbeit, die von nun an jährlich in Graz Sternstunden für ein neugieriges Orchester und einen unkonventionellen Dirigenten bringen wird. „Ein Fest für Haydn“ im Schloss Eggenberg wird ein einmaliger Publikums-Erfolg, der in den Folgejahren nicht mehr einzuholen sein wird. Erstmals überspringen die styriarte-Karteneinnahmen mit rund öS 1,6 Mio die Millionenmarke.
1986
Der zweite Durchgang der steirischen Klassik-Festspiele ist einem feurigen Italiener gewidmet: Claudio Monteverdi. Harnoncourt bringt seine Marienvesper im dafür einmaligen Ambiente des Grazer Doms heraus. Den tiefsten Eindruck hinterlässt aber eine Musiktheater-Produktion im Schauspielhaus: Purcells „Dido and Aeneas“ mit Roberta Alexander und Thomas Hampson in den Titelrollen sowie mit dem Concentus Musicus unter Harnoncourt im Graben. Der Opern-Glanzpunkt fordert auch seine Opfer: Ein Loch im Budget lässt Wolfgang Schuster als künstlerischen Leiter abdanken.
1985
Lange schon hat sich der steirische Kultur-Landesrat Kurt Jungwirth bemüht, Nikolaus Harnoncourt für ein Festival in seine Heimatstadt Graz zurückzuholen. Gerade im „Jahr der Musik“ findet sich überraschend ein freies Feld in Harnoncourts Terminkalender, weil ein anderes seiner Projekte nicht realisiert wird. Ebenso überraschend tritt somit die styriarte auf die Bildfläche, mit dem Wiener Philharmoniker Wolfgang Schuster als künstlerischem Leiter und Andrea Herberstein als Generalsekretärin. Johann Sebastian Bach steht im Mittelpunkt des ersten Programms, die Johannes- und die Matthäuspassion im Grazer Dom mit dem Concentus Musicus unter Harnoncourt sind die Glanzpunkte der ersten styriarte.