Chronik

Die vergangenen styriarte-Jahre

2016
In der styriarte 2016 kam es anders als geplant: Entwickelt im Gedanken, dass Nikolaus Harnoncourt hier erstmalig alle Sinfonien Beethovens mit seinem Originalklangorchester Concentus Musicus Wien vorstellen würde, schrieb sie sich den Kampf um die Freiheit auf die Fahnen. Doch Nikolaus Harnoncourt verlor seinen Kampf gegen Krankheit und Alter, sodass schließlich die erste styriarte ohne ihren Spiritus rector umgesetzt werden musste. Es blieb die Freiheit als Thema, es blieb der Beethoven-Schwerpunkt, doch es fehlte der Maestro, der schlicht und einfach unersetzlich ist. Also versuchte man es gar nicht, sondern setzte ganz und gar auf Botschaft und Inhalte.

Drei junge Dirigenten übernahmen das Projekt Beethoven und führten es mit dem Concentus Musicus Wien zu einem fulminanten Erfolg: Die brillant-analytische US-Amerikanerin Karina Canellakis, der hochsensitive französische Originalklangspezialist Jérémie Rhorer und der funkensprühend emotionale Kolumbianer Andrés Orozco-Estrada legten jeweils sehr persönliche, sehr unterschiedliche und sehr überzeugende Lesarten des monumentalen Repertoires vor und wurden dafür vom Publikum gefeiert. Und Josef Hader in einer Beethoven.SOAP mit Texten von Harnoncourt, Pierre-Laurent Aimard in einem Recital rund um die Appassionata und das Quatuor Mosaïques in einem Sreichquartettabend rundeten den Beethoven-Schwerpunkt ausdrucksvoll ab.

Kampf um die Freiheit – für die styriarte 2016 war das auch das bis heute nicht beendete Ringen um die Gleichberechtigung von Frauen in der Gesellschaft und in der Kunst. Ein bewegender Abend stellte die Komponistin Ethel Smyth und ihren „March of the Woman“ vor. Die Star- Mezzosopranistin Elisabeth Kulman brachte ihren ganz persönlichen Rückblick auf große Frauen in der Musik unter dem Titel „La femme, c’est moi“ zur Premiere. Und in der Produktion „Große Töchter“ brachte die styriarte gar fünf veritable Kompositionen von in Österreich lebenden Komponistinnen zur Uraufführung, die zwischen Ironie und höchstem Ernst das Thema der Frauenrechte beleuchteten.

Und noch ein Schwerpunktthema zog sich durch das Festival: der Kampf der Afroamerikaner um ihre Selbstbestimmung. Schauspieler Karl Markovics las voller Emphase Martin Luther Kings Rede vom Traum der Gleichberechtigung. Die Afroamerikaner Kim & Reggie Harris brachten mit dem Gospelchor Graz unter Franz Herzog die Helmut List Halle mit Spirituals und Widerstandsliedern der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zum Toben und Jordi Savall krönte das Festival mit einem Meisterwerk der musikalischen Recherche, in der er die Routen der Sklavenschiffe von Afrika bis Amerika mit fantastischen Musikern von Mali bis Mexiko nachzeichnete.

Auch ungewöhnliche Formen des Musiktheaters fehlten in der styriarte 2016 nicht. Der Ausnahmesänger Valer Sabadus stellte gemeinsam mit recreationBAROCK unter Michael Hofstetter Glucks „Orfeo ed Euridice“ in einer hinreißend träumerischen Figurentheater-inszenierung mit dem Kabinetttheater Wien vor. Und die Neue Hofkapelle Graz verwandelte mit dem Concentus musico-instrumentalis von Johann Joseph Fux in der Regie von Thomas Höft Schloss Eggenberg in ein sinnenfrohes Lustschloss des Libertins und Freigeistes Joseph I.

Unverzichtbarer Bestandteil der styriarte ist die Musikvermittlung. Moderierte Formate wie die Lunchkonzerte, heuer wegen großen Erfolgs auf vier Wochen ausgedehnt, bieten ganz jungen Nachwuchskünstlern eine Bühne. In den styriarte-SOAPS, heuer zu Beethoven, Verdi, Mozart und Schubert, nähern sich Schauspieler und Musiker der Extraklasse wie Johannes Silberschneider, Peter Simonischek, Christophe Coin, Markus Schäfer, Annie Laflamme oder Stefan Gottfried umfassend und verständlich einem Komponisten. Und ganz unkonventionelle Konzerte und Aktionen setzen zudem auf das Mitmachen des Publikums: Ob in den Wanderungen um den Hochlantsch oder in der Landpartie ins Museumsdorf Stübing – Natur- und Kunsterlebnis wurden hier aktiv miteinander verbunden.

Schon die Eröffnung des Festivals auf der Open Stage im Grazer Stadtpark hatte ganz deutlich gemacht, woran und wohin sich die styriarte orientiert. Der bewegenden Uraufführung von Iván Eröds Celloquartett zum Gedächtnis an Nikolaus Harnoncourt stand der junge Grazer Action Painter Tom Lohner gegenüber, der live ein Portrait Harnoncourts entwarf. Dazwischen entwickelte sich ein überaus buntes Programm, für das man sich völlig frei bei der styriarte um eine Teilnahme bewerben konnte. Vom Poetryslammer bis zur Avantgarde-Rockband machten eine Fülle von sehr jungen steirischen Künstlerinnen und Künstlern mit und zeigten so, was Freiheit heißen kann. Dass schließlich die 10. ORF Steiermark Klangwolke Beethovens Neunte Sinfonie nicht nur via Fernsehen um die Welt sondern auf Großlein-wänden auch die in ganze Steiermark transportierte, belegt einmal mehr die Wirkkraft des Festivals und die Aufmerksamkeit, die der Kunst in diesem Zusammenhang zukommt.

Insgesamt waren für die styriarte 2016 rund 33.000 Karten aufgelegt. Die 64 Veranstaltungen wurden von knapp über 30.000 Besuchern beehrt, womit die Festspiele wieder eine Auslastung von über 90% erreichen konnten. 14 Produktionen wurden vom ORF-Radio aufgezeichnet und europaweit über zig Radiostationen ausgestrahlt.
2015
Man konnte es dem Titel „...und lachte“ nicht unbedingt auf den ersten Blick ansehen, dass sich dahinter ein kritischer Diskurs über die Kunst als Mittel des Widerstands verbirgt, aber es war die Macht des Faktischen, die das Motto der styriarte 2015 sogleich auf den Prüfstand stellte. Wenige Tage bevor das Festival die Stadt Graz mit Humor anstecken wollte, löste eine Amokfahrt in der Altstadt Angst und Schrecken aus. Wie es daraufhin den Künstlerinnen und Künstlern der styriarte gelang, in gemeinschaftsstiftendem Geist ohne wegzuschauen auf die aktuellen Ereignisse zu reagieren, machte das ganze Potential von Kunst deutlich. Angezündet vom Postulat des argentinischen Regisseurs Adrian Schvarzstein, Kultur sei der Versuch, Licht in diese verrückte Welt zu bringen, war das Eröffnungsfest der styriarte ein Manifest der Hoffnung, den Schrecken der Welt das mutige „Trotzdem“ des freien Geistes entgegenstellen zu können – von Eröffnungsredner Gerhard Haderer mit ganz konkreten politischen Forderungen verbunden.

Nikolaus Harnoncourt, dessen Widerspruchsgeist geradezu legendär ist, hat dem Festival eine hinreißende Antithese zugemutet: Beethovens „Missa solemnis“ als tief verstörende Botschaft eines zweifelnden Menschen, dem die (Glaubens)Gewissheiten geradezu unter den Händen zerfallen. Zum ersten Mal interpretierte der Spiritus rector des Festivals das Meisterwerk mit seinem Originalklangensemble Concentus Musicus, was die Schärfe und Rauheit seiner Interpretation noch einmal potenzierte, zusammen mit dem Arnold Schoenberg Chor und einer meisterlichen Solistenriege. Die ORF-Klangwolke übertrug dieses Ereignis in die ganze Steiermark, ORF III in ganz Österreich, 3sat weit in die Welt hinaus. Zuvor hatte Harnoncourt erstmalig in seiner styriarte-Geschichte ein Programm krankheitsbedingt absagen müssen. Die Ent-scheidung, das Programm um Dvořáks heitere 8. Symphonie der jungen Newcomerin Karina Canellakis als Einspringerin anzuvertrauen, war nicht nur ganz konkret eine zwingende Lösung, sondern mag auch programmatisch verstanden werden: Noch immer haben Frauen im Klassikbetrieb nicht annähernd dieselben Chancen wie Männer, hier gilt es, vermehrt Zeichen zu setzen und die Verhältnisse zu ändern.

In diesem Sinne ist auch eines der herausragenden Projekte der styriarte 2015 zu sehen: der Auftrag an sechs in Österreich lebende Komponistinnen, sich mit dem Humor in der Musik auseinanderzusetzen. Das Ergebnis waren sechs Uraufführungen von Scherzi, die das reiche Panorama der Möglichkeiten zeitgenössischen Komponierens abbildeten und das Publikum Staunen und Jubeln machten. Dieses Konzert war der Höhepunkt einer Programmleiste mit Neuer Musik, die auch eine große Hommage an den Ironiker und Provokateur György Ligeti bereithielt, einen poetischen, verschmitzten Abend über das Lachen in der Klaviermusik von Prokofjew bis Kurtág, gestaltet von Pierre-Laurent Aimard sowie HK Grubers groteskes Orchesterpandämonium „Frankenstein“. Demgegenüber stand eine ganze Reihe von besonderen Programmen Alter Musik, von Oni Wytars mitreißender Belebung der Geschichten um Till Eulenspiegel bis zu Thomas Höfts komödiantischer Inszenierung von Banchieris Madrigalkomödie „La Barca di Venetia per Padova“.

Drei Erfolgsmodelle der jüngeren styriarte-Geschichte erwiesen auch 2015 ihre ganz besonderen Qualitäten: Die SOAPS verkörpern den Musikvermittlungsanspruch des Festivals mit aufwendigen Programmen und Livekameras, die Lunchkonzerte dagegen – diesmal im beständig ausverkauften Hof des Palais Attems – verbinden ein Podium für den künstlerischen Nachwuchs mit Gespräch und Kulinarik. Und das styriarte-Festspielorchester, in dem herausragende Musikerinnen und Musiker der europäischen Szene und Mitglieder des Orchesters recreation gemeinsam mit historischen Instrumenten arbeiten, lieferte unter Michael Hofstetter gleich mehrere künstlerische Highlights: die halbszenische Produktion von Rossinis „Barbier von Sevilla“ in der deutschsprachigen Grazer Fassung von 1819 mit einem umjubelten Solistenensemble, an der Spitze Koloratursopran Marie Friederike Schöder, und ein großes Sinfonieprogramm um „Till Eulenspiegel“ von Richard Strauss.

Natürlich prägten auch 2015 wieder Landpartien das Gesicht der styriarte. Im Kloster St. Lambrecht forschte das Mittelalterensemble Santenay Umberto Ecos „Name der Rose“ nach, im Freilichtmuseum Stübing prallten die Volksmusikanten der Citoller Tanzgeiger urkomisch auf die Barockmusiker der Neuen Hofkapelle Graz, szenisch angeleitet von Adrian Schvarzstein, und in Stainz lenkte Nikolaus Harnoncourt das Augenmerk auch auf den ganz großen Humoristen der Wiener Klassik: Joseph Haydn.

Die styriarte 2015 wurde von 29.980 Besuchern erlebt, die uns nebenbei mit einer noch nicht dagewesenen Flut von begeisterten Rückmeldungen überschüttet haben. Diese Besucherzahl entspricht einer Auslastung von etwas über 91%. Die Brutto-Karteneinnahmen erreichten den sehr starken Wert von fast EUR 1,300.000.
2014
„Come let us leave the town“ beginnt Henry Purcells „The Fairy Queen“, und getreu dieser Aufforderung machte sich die styriarte 2014 auf den Weg „raus aus der Stadt“, um Im Zauber der Natur den Verbindungen zwischen Kunst und Landschaft nachzuspüren. Nikolaus Harnoncourt als Dirigent, Philipp Harnoncourt als Regisseur, eine illustre Sängerschar um Dorothea Röschmann und Florian Boesch, der Concentus Musicus Wien und der Arnold Schoenberg Chor versetzten zu Beginn in einer spektakulären Inszenierung Purcells Oper nach Shakespeares „Sommernachtstraum“ in eine steirische Späthippiekommune. Und gleich darauf erschütterte, forderte und überwältigte Maestro Harnoncourt in zwei restlos ausverkauften Konzerten im Grazer Stefaniensaal sein Publikum im dem Instrumental-Oratorium der drei letzten Mozartsinfonien, ein Ereignis, das dank der ORF-Klangwolke den Weg aus dem Saal auf die Leinwände in der ganzen Steiermark und die Radio- und Fernsehempfänger (21 Länder übernehmen die Produktion vorerst über die Unitel) der Welt fand.

Die styriarte 2014 war ein Festival der Premieren. Deren wichtigste: die Gründung des styriarte Festspiel-Orchesters. Aufbauend auf dem Musikerumfeld des Orchesters recreation, an den ersten Pulten verstärkt durch internationale Experten der historischen Aufführungspraxis, debütierte unter Stabführung von Michael Hofstetter ein neuer Klangkörper, der mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen kann, klassische und romantische Musik historisch informiert zu interpretieren. Nach der Premiere mit einem beachtlichen Beethoven-Programm geriet die konzertante Aufführung von Carl-Maria von Webers „Der Freischütz“ gar zu einer veritablen Sensation: Ein herausragendes, kongenial besetztes Sängerensemble um die Agathe von Sarah Wegener und den Max von Bernhard Berchtold, der Arnold Schoenberg Chor und das styriarte Festspiel-Orchester unter Michael Hofstetter raubten den Zuhörern mit dem dämonischen Drama um den Deutschen Wald den Atem und rissen es zu Jubelstürmen hin.
Aber auch ein ganz neues Festivalformat feierte erfolgreich Premiere: In neun styriarte-Lunchkonzerten präsentierte sich der internationale musikalische Nachwuchs auf dem Podium im Innenhof des Grazer Museums im Palais. Die jungen Musikerinnen und Musiker hatten sich mit Videos im Internet beworben und wurden über ein Publikums-Voting ausgewählt. Und das Publikum zeigte sich denn auch sehr angetan von den Beiträgen des Nachwuchses, die auch Wege in die ganz aktuelle elektronische Musik nicht scheuten.
Open Air wie die Lunchkonzerte waren themenbedingt ganz viele Veranstaltungen in der Natur-styriarte geplant. Und dank des Traumsommers fiel keine davon ins Wasser. Ob das „Im Freien zu singen“-Chorfest zur Festivaleröffnung in Stainz, das
musikalische Picknick in Eggenberg, die sinnenfrohe Wanderung mit Hildegard von Bingen in Aflenz, Miriam Anderséns bezaubernde Loreley-Abende im Burggarten, Schumanns tosende Waldszenen auf der Hebalm, das Kinderfest im Freilichtmuseum Stübing oder die abschließende Wallfahrt nach Pöllau: immer wieder lud die styriarte ins Freie und gestaltete Erlebnisse, die weit über das klassische Konzertformat hinausgingen.

Viel mehr als traditionelles Konzert gab es allerdings auch sonst: Die inzwischen fest etablierten styriarte-SOAPs wagten sich filmisch sogar mit Außenwetten ins Land hinaus und präsentierten ebenso heiter wie aufwendig gestaltete Einblicke in das Leben von Beethoven, Schubert, Haydn und Mahler. Und für Messiaens „Catalogue d’Oiseaux“ mit dem Ausnahmepianisten Pierre Laurent Aimard wurde aus der Helmut-List-Halle gar ein veritabler Park mit Vogelstimmen inklusive.

Fehlen durften schließlich auch nicht die Blicke über die klassische mitteleuropäische Kultur hinaus. Sie gerieten denn auch so ganz besonders stimmigen und begehrten Höhepunkten der styriarte: Dong Yas leidenschaftlicher Einsatz für die traditionelle chinesische Musik gehört dazu. Wie Jordi Savalls bezwingender Ausflug in schottische und irische Folkmusik und vor allem seine musikalisch ebenso wie gesellschaftlich und politisch fantastische Beschwörung des Friedensgedankens auf dem Balkan, in dem Musikerinnen und Musiker aus bis heute verfeindeten Volksgruppen miteinander musizierten. Einer der Ausnahmeabende, wie sie die styriarte 2014 glücklicherweise mehrfach zu bieten hatte.

Die styriarte 2014 verzeichnete in 49 Vorstellungen bei knapp über 30.000 verfügbaren Plätzen 28.630 Besucher und hat damit wie üblich eine Auslastung weit über 90% erreicht.
2013
Nikolaus Harnoncourt und sein Team investierten in der styriarte 2013 ihr 100%-iges Engagement, um die Opéra-bouffe „Ritter Blaubart“ von Jacques Offenbach auf die Bühne zu stellen. Nikolaus Harnoncourt und sein Sohn Philipp als Regisseur, das Chamber Orchestra of Europe und der Arnold Schoenberg Chor sowie eine hinreißende Riege von Sänger-Schauspielern, angeführt von Elisabeth Kulman in der Paraderolle der drallen Bäuerin Boulotte und Johannes Chum als charmantem Killer Blaubart, bewiesen, dass „Barbe-Bleue“ in die erste Reihe der Meisterwerke von Offenbach gehört. Die ORF-Klangwolke trug dieses herausragende Ereignis in Bild und Ton in die ganze Steiermark und auch noch darüber hinaus.

Was Offenbach im Blaubart so abgründig wie satirisch beleuchtet, die riskanten Untiefen der Liebe, gab denn auch der ganzen styriarte 2013 ihr Motto: „Gefährliche Liebschaften“ durchzogen das Programm, literarisch hergeleitet vom berühmten Roman des Choderlos de Laclos um die bösartigen Intrigen im Frankreich vor der Revolution. Barbara de Koy und Johannes Silberschneider lasen zur Eröffnung aus dem fiktiven Briefwechsel und leiteten damit eine Reihe von musikalisch-literarischen Soireen ein: Von Peter Simonischek bis Julius Feldmeier, von Roland Koch bis Gregor Seeberg lasen herausragende Schauspieler sinnliche bis erotische Literatur.

Nikolaus Harnoncourt begab sich selbst auf Spurensuche im verrufenen Ambiente, indem er mit dem Concentus Musicus Wien die einst als sittengefährdend eingestuften Tänze von Joseph Lanner aufführte. Die Sinnlichkeit des Tanzes war denn überhaupt ein wichtiger Pfad auf dem Weg der styriarte 2013, ob in den argentinischen Tangos von Piazzolla oder dem Foxtrott aus dem Kit-Cat-Club in John Kanders Musical „Cabaret“.

Aber die Abgründe der Liebe sind für Komponisten nicht nur Thema, vielfach waren sie selbst auch in schwierige Beziehungen verstrickt. Solchen Wechselwirkungen zwischen Leben und Kunst spürte die styriarte auch 2013 wieder u. a. im innovativen Format der „SOAPs“ nach. Ungewöhnliche Konzertformate und Landpartien, ein Fest um Henry Purcells Oper „Dido and Aeneas“ im Schloss Eggenberg und ein 8-faches Kinderprogramm rundeten das Angebot ab. Jordi Savall schließlich führte prachtvoll an den Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. und schloss so den Kreis des Frankreich-Schwerpunkts in der styriarte der Sinnlichkeit, die eine Auslastung von knapp 90% erreichte.
2012
In der „FamilieMenschen“-styriarte werden die „styriarteSoaps“ ins Leben gerufen. Livekameras projizieren Close-Ups auf eine große Leinwand über der Bühne. Berückende Musik und gelesene Dokumente liefern Einblicke in das Leben großer Komponisten. Zum Erfolg der „Soaps“ trug wesentlich bei, dass neben die Stars der Konzertbühne auch eine ganze Garde von fantastischen SchauspielerInnen auftrat. Außer Nikolaus Harnoncourt, der aus Briefen von Leopold Mozart las, gab Johannes Silberschneider gleich zweimal einen zwischen Drastik und Melancholie irrlichternden W. A. Mozart; Senta Berger spürte Cosima Wagner nach, Mavie Hörbiger und Michael Maertens berührten mit dem Ehetagebuch von Clara und Robert Schumann; Dominik Maringer enthüllte die private Tragödie von Johann Strauß Sohn und Gabriele Schuchter war schließlich eine berückende Anna Magdalena Bach. Und im Zirkuszelt neben der Helmut-List-Halle lud man zu drei „Kinderseifen“ ein, die voller Humor die Musik der Familien Bach, Mozart und Mendelssohn erlebbar machten.

In der „FamilienMenschen“-styriarte sorgte Nikolaus Harnoncourt als Dirigent wieder für die beiden großen musikalischen Highlights. Zunächst mit Antonin Dvořáks „Stabat mater“ samt Public Viewing und österreichweiter TV-Übertragung durch ORFIII. In der Pfarrkirche Stainz erklangen diesmal Mozarts Missa longa in C und die Sakramentslitanei KV 243.

Vokalmusik in Meisterschaft dominierte viele Konzerte. Ob das Ensemble Santenay oder der Arnold Schoenberg Chor, ob das Kassiopeia Quintet, das Gesualdos verstörende Madrigale intonierte, oder das Ensemble Cinquecento, das der Musik der Medicizeit Glanz verlieh – die menschliche Stimme als Leitstern der Musik war in dieser styriarte unverkennbar. In der Instrumentalmusik erwies sich erneut das Orchester recreation als imponierende Stütze großer styriarte-Produktionen. Und mit Markus Schirmer, Danjulo Ishizaka, Isabelle Faust, Alexander Melnikov, Teunis van der Zwart, Patricia Kopatchinskaja oder Mihaela Ursuleasa war auch das Kammermusikpodium mit herausragenden Künstlern besetzt.

Ungewöhnliche, große und spektakuläre Konzertformate hatte die styriarte 2012 nicht nur in den „Soaps“ zu bieten. Das aufwendige „Fest zu Eggenberg“ führte die Besucher durch einen wort- und bildgewaltigen Renaissancetraum, im Museumsdorf Stübing trafen sich musizierende Familien aus ganz Europa zu einem volkstümlichen „Sound of Stübing“. Jordi Savall gestaltete schließlich ein überwältigendes musikalisches Panorama der Zeit der Borgias. Bei so viel Pracht braucht es ein Gegengewicht, das die styriarte Satyrspiele aufs Schönste lieferten. Im styriarte-Zelt lasen Gregor Seberg, Cornelius Obonya und Wolfram Berger Bissiges bis Bitterböses über die liebe Familie von Wilhelm Busch bis H.C. Artmann. So schloss sich für 27.000 Besucher ein Familienalbum, das durchaus zugleich Platz für die großen Glücksgefühle wie die Abgründe des Familiären bot.
2011
„Lange hat es gedauert, nun ist sie endlich uraufgeführt worden: Smetanas ‚Verkaufte Braut‘ auf Deutsch“ – so begeisterte sich nicht nur die deutsche Tageszeitung „Die Welt“. Tatsächlich entpuppte sich das zentrale Stück der 26. styriarte als veritable Sensation: Dirigent Nikolaus Harnoncourt, Regisseur Philipp Harnoncourt, das festspielwürdige Solistenensemble um Dorothea Röschmann, Kurt Streit, Ruben Drole und Markus Schäfer, das Chamber Orchestra of Europe und der Arnold Schoenberg Chor zeigten zum ersten Mal Smetanas „Verkaufte Braut“ mit dem vom Komponisten beauftragten deutschen Libretto von Emanuel Züngel. Tatsächlich eine Uraufführung, denn die von Smetana eigenhändig in die Partitur seines Werkes eingetragene und dem deutschen Idiom auch kompositorisch angepasste Version war als internationale Fassung seines späteren Welterfolges gedacht. Aber sie wurde nie aufgeführt und blieb unbeachtet, bis die styriarte sie nun ans hochverdiente Licht der Öffentlichkeit hob.

Die styriarte 2011 nahm das Populäre in der Kunst in den Blick. Johann Joseph Fux’ Diktum aus dem „Gradus ad parnassum“, wie schwer es für den Komponisten sei, leicht zu schreiben, ohne den guten Geschmack zu verletzen, gab dabei das Motto vor: „Im schweren Leichten“. Dem folgten die Besucher des Festivals in Rekordausmaß (33.500 Besucher). Hintersinnig und manchmal hinterlistig warfen die Künstler des Festivals neue Blicke auf nur scheinbar bekanntes Repertoire. Nikolaus Harnoncourt konfrontierte die späte Surprise-Sinfonie von Haydn, die nur im deutschen Sprachraum „mit dem Paukenschlag“ heißt, mit den frühen „Tageszeiten“-Symphonien und entdeckte außerdem für sich selbst zum ersten Mal Haydns so genannte „Caecilienmesse“: Ovationen in der Pfarrkirche Stainz.

Ungewöhnliche Kombinationen gab es auch sonst im Programm: Pierre-Laurent Aimard erstaunte nicht nur mit einer neuen Folge von Mozarts Klavierkonzerten mit dem Chamber Orchestra of Europe, sondern schlug auch sein ganz privates Piano Album auf, in dem Schubert auf Stockhausen stieß. Solisten des Chamber Orchestra of Europe interpretierten Camille Saint-Saëns „Carnaval des animaux“, den Thomas Höft mit einer so aktuellen wie poetischen Geschichte verband. Carl Orffs popchartverdächtige „Carmina burana“ waren als „soziales Projekt“ zu hören, in dem sich zahlreiche Schul- und Kinderchöre der Steiermark (gut 370 jugendliche SängerInnen) mit dem Orchester recreation unter Oswald Sallaberger zusammentaten.
Aber auch hinaus in die Steiermark reiste die styriarte. So ließ der Arnold Schoenberg Chor in der Pfarrkirche Pöllau in „Secrets of the Vatican“ blicken und Jordi Savall besuchte die Kirche in Aflenz, um dort Bachs h-Moll-Messe zu zelebrieren. Überhaupt boten Konzerte mit historischen Instrumenten einen wichtigen Schwerpunkt des Festivals und eröffneten völlig unerwartete, ganz frische Sichtweisen auf die bekanntesten Werke der Musikliteratur. Geradezu frenetischen Beifall erhielt Jordi Savall, als er gemeinsam mit seinen Ensembles und den mexikanischen Tembembe Ensamble Continuo lateinamerikanische Musik des Barock präsentierte. Tanzmusik, die ebenso in die Beine fuhr wie die drei Polka Rallyes, die Smetanas Urthema noch einmal auf ganz andere Weise abhandelten: zum Mittanzen und ganz international, von Tschechien über die Steiermark bis nach Minnesota, USA.
2010
Zum 25. Geburtstag wählte sich die styriarte ein Thema, das sich mit den Mitteln der Musik auf die Suche nach dem ganz Eigenen machte. „Heimat, bist du …“ postulierte das Festival mit Paula von Preradović als Motto, und rund 50 Veranstaltungen füllten die offenen Stellen hinter dem Zitat mit den unterschiedlichsten Anschauungen und Bildern von Österreich, um am Ende kein einheitliches Bild, sondern vielmehr ein Kaleidoskop entworfen zu haben. Die Ambivalenz des Festivalmottos mag am besten darin beschrieben sein, dass das titelgebende Hauptstück, Smetanas „Má vlast“, ein dezidiert antiösterreichisches Stück ist, konzipiert als klingendes nationales Erweckungsopus der Tschechen, die sich von fremder Oberhoheit endlich emanzipieren wollten. Nikolaus Harnoncourt legte in seiner exemplarischen Deutung mit dem Chamber Orchestra of Europe das Wesen des Zyklus offen. Aber auch ganz an den eigenen österreichischen Wurzeln leistete Nikolaus Harnoncourt Erkenntnisarbeit. Haydns „Schöpfung“ in einer sensationellen Wunschbesetzung entpuppte sich als aufgeklärte Großtat eines gläubigen Vernunftmenschen. Das Programm in der Stainzer Kirche war durchglüht von der Passion, den wahren, den echten Mozart zu zeigen: in seiner c-Moll-Messe und im „Exultate, jubilate“.

Heimat – das ist für Österreich immer auch die Frage nach Zentrum und Peripherie, nach Weltreich und Nachkriegsrealität. Eines der aufregendsten Erlebnisse bescherte dem styriarte-Publikum wieder einmal Pierre-Laurent Aimard mit seiner pianistischen Spurensuche um Bartók und die Folgen. Die styriarte folgte den Spuren vergessener oder verborgener Schätze – Miriam Anderséns aufregende Rekonstruktion der Musik von Walther von der Vogelweide führte an den Hof der Babenberger, Sarband erzählte von den Beobachtungen des türkischen Reisenden Celebi in Wien 1665, und Elisabeth Orth las das ergreifende Kriegstagebuch Paula von Preradovićs, das ganz nah an die Geburtsstunde des neuen Österreich führt. Ein neues Österreich, das heuer in der styriarte vielfach klingen konnte, von der echten Volksmusik auf der Landpartie nach Stübing bis zu Christian Muthspiels Performance zu Jandl, von Sandy Lopicics Balkanjazz bis zu Thomas Bernhards bissigem „Meine Preise“, rezitiert von Peter Simonischek. Das alte Österreich kam dagegen in einer ganzen Reihe von komponierenden Habsburgerkaisern und deren Hofkomponisten zu Wort, von denen Johann Joseph Fux heuer die herausragende Stellung einnahm. Jordi Savall, eine aufsehenerregende Solistenschar, der Arnold Schoenberg Chor und Le Concert des Nations war das größte Projekt des Fuxjahres überantwortet, die Aufführung der Oper „Orfeo ed Euridice“.

Der Budgetrahmen der styriarte 2010 betrug EUR 2,8 Mio., wovon 1,3 Mio. aus Karten- & Sponsoreinnahmen und 1,5 Mio. aus Finanzbeiträgen der öffentlichen Hand, insbesondere dem Land Steiermark und der Stadt Graz kommen. Die styriarte 2010 erfreute fast 30.000 Besucher und erreichte so wieder einen Auslastungsgrad von über 90%.
2009
Die styriarte 2009 zeigte endgültig, dass sie für Nikolaus Harnoncourt der Ort der erfüllten Lebenswünsche ist. In diesem besonderen Fall hat es über 70 Jahre gedauert, bis er realisiert werden konnte, und wieder hat der Maestro nicht nur die Fachwelt, sondern sein gesamtes Publikum überrascht und in Staunen versetzt. Sein „Porgy and Bess“ wurde zu einer aufführungsgeschichtlichen Sensation. In diesem Fall betraf das das eindringliche Plädoyer für die Ernsthaftigkeit von Gershwins musikalischem Ansatz, die den Komponisten weit weg vom Musical in die Nähe von Alban Berg und der europäischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts stellt. Nikolaus Harnoncourt tat alles, um der ursprünglichen Intention der Autoren zu neuem Recht zu verhelfen: Über die Mittel der Kunst, Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, Sprache und Achtung zu verleihen.

Unter dem Motto „Der Menschheit Würde“ näherte sich die styriarte 2009 den Menschen auch in der volkstümlichen Kunst an und nahm sie ernst, indem sie so viel originale volkstümliche Musik wie nie zuvor präsentierte und damit die Genregrenzen immer wieder sprengte. Da waren etwa die sensationelle Banda aus Apulien, Jordi Savalls Zeitreisen zur ursprünglichen Musik der Schotten und Iren oder seine eindringliche musikalische Predigt über die Friedensstadt Jerusalem mit jüdischen, muslimischen und christlichen Musikern, die bewiesen, dass menschliche Identität und Multikulturalität auch und gerade in der Volksmusik zu finden ist.

Besonders herauszuheben ist an der styriarte 2009 außerdem die Vielzahl an ungewöhnlichen theatralen Formen. Und ob Purcells „King Arthur“ unter Hermann Max und Thomas Höft, Haydns „Il mondo della luna“ für Kinder oder Rousseaus „Le devin du village“ mit dem Komiker Adrián Schvarzstein – noch nie hat eine styriarte die Möglichkeiten szenischen Arbeitens so weidlich und unkonventionell genutzt wie 2009. Aber auch das Kerngeschäft der styriarte, das klassische Konzert, wartete 2009 mit zahlreichen Höhepunkten auf. Nikolaus Harnoncourt deutete Händel in „Jephtha“ und in einem Stainzer Kirchenprogramm, das österreichische Vokalensemble Cinquecento gab einen tief durchdrungenen Josquin-Abend, das hochvirtuose Tecchler Trio ein eindringliches „À la mémoire“-Programm und die italienische Hammerflügelvirtuosin Stefania Neonato eine umjubelte Haydnmatinee. Harnoncourt war durch die ORF-Klangwolke in der gesamten Steiermark auch wieder bei freiem Eintritt in spektakulärer Naturkulisse und an zahlreichen ungewöhnlichen Orten zu erleben. Ziemlich genau 30.000 Kartenabnehmer bescherten der styriarte 2009 wieder eine Auslastung von mehr als 90%.
2008
„Alles fließt“ - in der styriarte 2008 präsentierte Nikolaus Harnoncourt ein „Jahrhundertereignis“ (Frankfurter Rundschau): Mozarts „Idomeneo“ endlich so auf die Bühne zu bringen, wie es der Komponist bei der Uraufführung vorgehabt hat, war Nikolaus Harnoncourts Anliegen. Dafür hat er selbst auch auf dem Regiestuhl Platz genommen und mit Unterstützung eines sensationellen Teams erreicht, was er sich vorgenommen hatte: eine Inszenierung von Mozarts großer Oper ganz aus dem Geist der Musik zu schaffen, mit dem unvergleichlichen Klang des Concentus Musicus, den in jeder Rolle ideal auf Weltniveau besetzten Solisten und dem Arnold Schoenberg Chor sowie der Zürcher Ballettcompagnie von Heinz Spoerli.

Großleinwände im ganzen Land transportierten Nikolaus Harnoncourts zweite Mozart-Exegese, die „Krönungsmesse“ als Klangwolk“ ganz unmittelbar zu jedermann. Und überhaupt war das niedrigschwellige Angebot für alle, die noch Klassikfans werden wollen, wieder ein besonderes Anliegen der styriarte. Sowohl das Eröffnungskonzert auf dem Hauptplatz mit den riesig besetzten orchestralen Meeresmusiken und recreation - GROSSES ORCHESTER GRAZ als auch die avancierte Uraufführung von Christian F. Schillers musikalischer Aktion „flussleere“ unter der Murbrücke zum Festivalausklang waren kostenlos zu besuchen. Und von „Am Brunnen vor dem Tore“ in Schloss Ottersbach bis hin zum „Jungbrunnen“ in Bad Gleichenberg in Zusammenarbeit mit dem Festival „regionale08“ erkundete die styriarte auch heuer wieder die Regionen der Steiermark abseits der Metropole.

Jordi Savall und Hespèrion XXI entwarfen ein Panorama der Musik der Kulturen des Mittelmeerraumes und brachten damit noch einmal auf den Punkt, was die gesamte styriarte ausmacht: Die alte Musik ist weder alt noch vergessen. Sie führt an die Wurzeln unserer Kultur. Und diese müssen wir kennen, um in der Gegenwart angemessen und rücksichtsvoll leben zu können. Die styriarte 2008 erreichte mehr als 30.000 Besucher und damit wie üblich eine Auslastung klar über 90%. Mit einem Bruttokartenertrag von EUR 1.310.000 wurden planmäßig die höchsten Karteneinnahmen seit jeher erreicht.
2007
Für 40 Konzerte in vier Wochen lud die styriarte 2007 unter dem Motto „Wanted: Europa“ auf die Suche nach Europa ein. Und ihr Publikum folgte enthusiastisch. Nikolaus Harnoncourts künstlerische Konzentration auf die styriarte zeitigte überwältigende Ergebnisse. Sein Einsatz für Beethovens einziges Oratorium „Christus am Ölberge“ mit dem Concentus Musicus Wien war Offenbarung und längst fällige Revision kaum überprüfter musikwissenschaftlicher Vorurteile, seine Interpretation von Haydns „Jahreszeiten“ eine selten erlebte Sternstunde musikantischer Deutungskraft. Und der Eröffnungsabend mit Beethovens Messe C-Dur und der Symphonie Nr. 5 mit dem Chamber Orchestra of Europe wurde zu Recht als furioser Höhepunkt von Harnoncourts jahrzehntelanger Beethoven-Deutung empfunden. Nicht zuletzt auch, weil es durch die erste ORF-Klangwolke gelang, Zuschauer und Zuhörerinnen auch außerhalb der Konzertsäle zu erreichen und zu begeistern. Die Klangwolke gelangte via ORF und 3sat auch an Zuschauer über die nationalen Grenzen hinaus. Und der „European Song Contest“ wurde durch die Beteiligung der Radio-Steiermark-Hörer zu einem interaktiven Ereignis.

Thematisch besonders wichtig waren 2007 die styriarte-Erkundungen über Kultur an den Rändern Europas und in der Tiefe der Geschichte. Die Serie mit rarer europäischer Musik von der Rekonstruktion altgriechischer Klänge über die Musik der Wikinger bis hin zur „Musik der Ureinwohner“ eröffnete bisher unerhörte Erkenntnisräume und wurde begeistert angenommen. Als schließlich zum Finale drei Chöre, Solisten und recreation - GROSSES ORCHESTER GRAZ unter Andrés Orozco-Estrada auf der restlos ausverkauften Grazer Kasemattenbühne das Finale von Beethovens Symphonie Nr. 9 – die offizielle „Europa-Hymne“ – anstimmten, ging ein von Aufbruchsstimmung geprägtes Festival zu Ende.

Auslastung 93%. 15 Produktionen des Festivals gingen über die Stationen der EBU in die Welt. Mit sechs gewichtigen Vorstellungen ging die styriarte 2007 aufs Land, darunter erstmals ins Museumsdorf in Stübing.
2006
Im Mozartjahr 2006 erhält bei der „Endlich glücklich“-en styriarte ein zweiter Jahresregent große Bühne: Robert Schumann. Seiner monumental-großartigen „Faust-Szenen“ nimmt sich Nikolaus Harnoncourt an und gestaltet mit dem Chamber Orchestra of Europe „ein feinnerviges Seelengemälde in schillernden Farben“ (Martin Gasser, Kronen Zeitung). Als großer Glücksgriff entpuppt sich der den Faust von Bariton Christian Gerhaher. Harnoncourts zweites Projekt in diesem Jahr in der barocken Stainzer Kirche widmet sich dem nachirdischen Glück in zwei Kantaten J. S. Bachs. Der Concentus Musicus Wien „fasziniert mit subtilen Farbnuancen, pulsierender Lebendigkeit, tänzerischem Elan, sensibler Klangschönheit und virtuosen Soli.“ (Ernst Naredi-Rainer, Kleine Zeitung)

Einigen Komponisten folgt die styriarte an Orte, wo sie ihr Glück fanden: Mozart nach Prag, Chopin auf Mallorca, Haydn nach London oder Schubert ins Schilcherland. Die Glücksgöttin „Fortuna“ findet sich im Programm wieder (Elisabeth von Magnus belebt Songs von Gershwin, Berlin und Porter; Mozart, der Spieler, wird von Eszter Haffner porträtiert), das Glück von Hochzeitern (jüdischen mit David Orlowskys Klezmorim und habsburgischen mit Lorenz Duftschmid) aber auch die große Liebe. Pierre-Laurent Aimard beschert in Klaviermusik-Kinderzyklen „Glückes genug“ und holt zum zweiten Streich aus: Er präsentiert wieder zwei Klavierkonzerte Mozarts als Pianist und Dirigent des Chamber Orchestra of Europe in Personalunion. Dem österreichisch-ungarischen Komponisten Iván Eröd widmet die styriarte zum 70er eine Personale. Jordi Savall beschließt auch das 2006er Festival: mit einer fulminanten musikalischen Spurensuche in Cervantes‘ „Don Quijote“ und zum festlichen Ausklang mit Joseph Haydns Hit, den „Jahreszeiten“.

Die Auslastung der styriarte 2006 lag bei 86%, angesichts der Konkurrenz aus Fußball WM und Salzburger Medienhype um Mozart ein achtbares Ergebnis.
2005
Die styriarte 2005 unter dem Motto „Sinnlich“ startet mit einer in der internationalen Presse bejubelten szenischen Opernproduktion: Nikolaus Harnoncourt und Andrea Breth bringen Bizets „Carmen“ auf die Bühne der Helmut-List-Halle. Nora Gubisch und Kurt Streit in den Hauptrollen erregen ebenso Aufsehen wie die Solisten in der zweiten Harnoncourt’schen Opernproduktion der styriarte 2005: Patricia Petibon, Werner Güra, Michael Schade und Christian Gerhaher werden in der konzertanten Aufführung von Haydns „Orlando Paladino“ vom Concentus Musicus Wien brillant begleitet. Nikolaus Harnoncourt präsentiert außerdem zwei weitere schillernde Männergestalten: Egmont in Beethovens Schauspielmusik und den reuigen David in Mozarts Kantate „Davidde penitente“.

Einen Schwerpunkt der diesjährigen styriarte bilden sinnliche mediterrane Panoramen, in denen etwa die Familie Savall spanischen Folias nachspürt, oder Il Giardino Armonico und La Venexiana Werke von Vivaldi und Monteverdi präsentieren. „Sinnlich“ ist auch wortwörtlich zu verstehen – das Publikum der styriarte 2005 feiert, begleitet von Gaumenfreuden der besonderen Art, Feste mit Händel und Rossini, begleitet Bach ins Kaffeehaus und Orlando di Lasso in den Weinkeller. Den fulminanten Schlusspunkt des Festivals bildet einmal mehr Jordi Savall – 2005 mit Bachs h-moll-Messe in der barocken Stiftskirche von Pöllau.

Für die 38 Produktionen dieses Jahres, die in 52 Vorstellungen präsentiert wurden, waren rund 33.000 Karten aufgelegt, von denen mehr als 30.000 verkauft wurden, was zu einer Auslastung jenseits der 90%-Marke führte (Kartenertrag: 1.300.000 EURO).
2004
Unter dem Motto „Von Zeit zu Zeit“ bewegt sich die styriarte 2004 klangvoll durch die Zeiten der Musik. Der Gotteszeit zollt Nikolaus Harnoncourt Tribut mit Bibers f-Moll Requiem in Stainz und mit der fulminanten Interpretation von Telemanns Endzeitvision „Der Tag des Gerichts“. Der Star der styriarte bringt mit dem Tripelkonzert auch seine Aufführung und Einspielung aller beethovenschen Klavier-Orchesterwerke gemeinsam mit dem Ausnahmepianisten Pierre-Laurent Aimard zu einem vielbejubelten Ende und bricht mit Schuberts Rosamunde eine Lanze für eine unterbewertete Schauspielmusik der Romantik.

Neben Biber wird auch der Jahresregenten Antonín Dvorák (Requiem) und Marc-Antoine Charpentier gedacht. Dessen „Canticum ad Beatam Virginem Mariam“ zelebriert der Katalane Jordi Savall mit seinen herausragenden Ensembles bei einer styriarte-Landpartie in Pöllau. Jordi Savall obliegt es auch, einen triumphalen Schlusspunkt an das Ende des Festivalkonzertreigens zu setzen: In der Basilika von Stift Rein wird die erste geistliche Oper, Emilio de Cavalieris „Rappresentatione di Anima e di Corpo“ aus dem Jahre 1600, in einer klaren Inszenierung berührend dargeboten.

Dazwischen liegen einige der beliebten und prächtigen styriarte-Feste, etwa eines zur „Vergänglichkeit“ im herrlichen Ambiente des Schlosses Eggenberg, eines „À la recherche du temps“ mit Pierre-Laurent Aimard als klugem Programmkoordinator und wunderbarem Interpreten. Geradezu überwältigend präsentiert sich das Angebot an barocken Orchestern und es fehlt auch nicht an außergewöhnlichen Projekten: darunter ein Rockmusikabend von Luca Pianca, Steve Reichs „Different trains“ mit dem Kronos Quartet oder der Beginn einer Aufführungsserie der Symphonien des weitgehend unbekannten sibirischen Komponisten Alexander Lokshin.

Noch mehr aufgelegte Karten als 2003 und ein Auslastungsergebnis von mehr als 90% sind deutliche Zeichen für den anhaltenden Erfolg des Festivals.
2003
Mit einer fulminanten szenischen Produktion, Offenbachs „Grande-Duchesse de Gérolstein“ unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt und in der Regie von Jürgen Flimm, feiert die styriarte 2003 „Die Macht der Musik“. Insgesamt steuert Nikolaus Harnoncourt fünf Projekte zur styriarte bei. Mit Pierre-Laurent Aimard bringt er das im Zyklus noch fehlende 1. Klavierkonzert von Beethoven auf die Bühne und beschwört mit einer Modellaufführung von Händels Alexanderfest das Motto von der Macht der Musik.
Zum ersten Mal lädt die styriarte zu einer ganzen Reihe von Festen: im Schloss Eggenberg trifft man sich bei „Don Giovannis Fest“ zu einem Festmahl an der Tafel des Verführers, dem Jahresregenten Hugo Wolf sowie dem mythischen Sänger Orpheus sind musikalische Feste gewidmet, im Stift St. Lambrecht erfährt man in einem intensiven Wochenende die „Harmonia Coelestis“ und schlägt sich beim „Tanzfest“ walzernd eine ganze Nacht um die Ohren. Gerd Kühr gilt eine zweiteilige Personale, gestaltet vom Arnold Schoenberg Chor und dem Orchester recreation. Jordi Savall beschließt die styriarte 2003 mit Monteverdis „Marienvesper“ im Prachtbau der Pöllauer Kirche. Für eine ganze Reihe von Veranstaltungen bewährt sich die neue Helmut-List-Halle, ein international hoch gelobter Bau mit formidabler Akustik, als Veranstaltungsort brillant. 30.000 Besucher und 1,1 Mio. EURO Kartenertrag bei 52 Veranstaltungen sprechen eine deutliche Sprache des Erfolgs.
2002
„...den Blick nach oben“ gerichtet, begibt sich die styriarte 2002 auf die Suche nach dem Göttlichen. Auf den Feldern von Drama, Gesang und instrumentalem Gebet zieht sie die Summe aus nach oben gerichteten Gesängen eines Jahrtausends. Nikolaus Harnoncourt findet diese bei Beethoven, Schubert und Haydn, mit dessen Heiligmesse er seine sechsjährige Beschäftigung mit den Glaubensnöten des alten Haydn in revolutionärer Zeit zu einem Schlusspunkt bringt. Das Festspielhaus in der Tramwayremise dient wiederum als Opernbühne: Die zweite Generation Harnoncourt präsentiert J. A. Hasses Dreipersonenstück „Piramo e Tisbe“. Auf dem Grazer Schloßberg erklingt das Panorama der Grazer Glocken, von Florian Geßler zu einem Klangereignis komponiert. Mehrmals begibt sich die styriarte auf Wallfahrten: mit dem Märchenerzähler Helmut Wittmann zum slowenischen Wallfahrtskirchlein Sveti Duh, mit Lorenz Duftschmid und seinem Armonico Tributo auf den Weizberg und mit Jordi Savall in die Stiftskirche Seckau. Ein fünfteiliger Konzertzyklus, „Nachtzeit bei den Minoriten“, wirft mit jungen Komponisten zu später Abendstunde einen ganz besonderen Blick nach oben. Und Händel kommt gleich zweimal zu Wort: einmal mit seinem Jugendwerk „La Resurrezione“, interpretiert von Il Giardino Armonico, und zum Abschluss der styriarte mit seinem „Messiah“, den der Arnold Schoenberg Chor und Concerto Köln erklingen lassen. Rund 25.000 Besucher bescheren der styriarte wieder ein Plus von 9 Prozent und Einnahmen von rund 780.000 Euro.
2001
Der Gegenpol zu Babel, Utopia, ist das Ziel der styriarte-Reise 2001. Unter dem Motto „...in eine bessre Welt entrückt“ spinnt das Festival Fäden aus dem Babel-Themenkreis weiter und bringt Utopien der Menschheit zum Klingen. Nikolaus Harnoncourt setzt sein Donaumonarchie-Projekt fort (Dvo?ák, Bartók, Beethoven) und setzt Maßstäbe mit seiner erstmaligen Interpretation des Verdi-Requiems. Viktor Ullmanns im Lager Theresienstadt komponierte Oper „Der Kaiser von Atlantis“, inszeniert von Christian Pöppelreiter und unter der musikalischen Leitung von Peter Keuschnig, wird im in einer Tramwayremise errichteten Festspielhaus zu einem ungemein berührenden Manifest der Hoffnung auch im Angesicht des Todes. Der österreichische Komponist Gösta Neuwirth steht im Mittelpunkt einer Personale, die das Klangforum Wien und der Arnold Schoenberg Chor gestalten. Einige Vorstellungen der styriarte 2001 müssen wegen der großen Nachfrage wiederholt werden. So auch ein Beethoven-Klavierabend des herausragenden Grazer Pianisten Markus Schirmer. Eine Reise der styriarte Landpartie führt ins obersteirische Benediktinerstift St. Lambrecht, wo für die Besucher in einer 20 Stunden dauernden Veranstaltung die Utopie des „Gottesstaates“ des Augustinus erfahrbar gemacht wird. In 44 Veranstaltungen erreicht die styriarte knapp 23.000 Besucher und Karteneinnahmen von annähernd zehn Millionen Schilling.
2000
Das Bild vom Turmbau zu Babel steht in der styriarte über der Frage nach dem Werden von Gesellschaften, nach dem Entstehen kultureller Vielfalt. Die styriarte erzählt unter dem Motto „www.babel.vg“ Geschichten vom Reichtum, der in der Begegnung unterschiedlicher Kulturen entsteht. Nikolaus Harnoncourt spürt dem Reiz der „Donaumonarchie“ nach, Jordi Savall dem multikulturellen Andalusien vor 1500, die Jazz Big Band Graz dem Schmelztiegel New York. Mit Händels „Agrippina“ in der Inszenierung von Christian Pöppelreiter setzt Il Giardino Armonico seine Karriere als Opernorchester der Extraklasse fort und entführt die styriarte-Besucher in einer ausrangierten Industriehalle ins Rom von Kaiser Nero. Eine vielversprechende Zusammenarbeit wird von der styriarte etabliert: Nikolaus Harnoncourt beginnt mit dem bis dahin als Interpret Neuer Musik bekannten französischen Pianisten Pierre-Laurent Aimard eine Aufführungsserie von Beethovens Klavierkonzerten.
1999
Unter dem Titel „Erklär mir, Liebe!“, einem Gedicht von Ingeborg Bachmann entnommen, sucht die styriarte 1999 nach Worten und Tönen der Liebe – vom hohen Mittelalter bis zur Gegenwart. Nikolaus Harnoncourt betritt in diesem Themenfeld unerwartet Neuland und stellt sich als Wagner-Interpret (Tristan, Tannhäuser) vor, kontrastiert durch ein denkwürdiges Brahms-Programm rund um die Liebesliederwalzer. Il Giardino Armonico, die italienische Kultformation, betritt ebenfalls Neuland mit ihrem ersten Opernengagement in einer szenischen Produktion von Claudio Monteverdis „Orfeo“ im Grazer Schauspielhaus. Jordi Savall rundet den Monteverdi-Schwerpunkt des Festivals mit dessen 8. Madrigalbuch ab. Mit einer dreiteiligen Personale stellt die styriarte das Werk des estnischen Komponisten Arvo Pärt vor. Das Festival dehnt sich auf 42 Veranstaltungen aus, für die 26.000 Karten aufgelegt werden.
1998
Die styriarte beginnt einen Themenzyklus, der sich auf die Spur der Ursehnsüchte der Menschheit und damit zugleich auf die Spur der Urmotive der Kunst begibt. „Verlorenes Paradies?“ – dieses Motto lässt die styriarte träumen: den Traum vom verlorenen Garten Eden und der Rückkehr dorthin. Mit Schumanns Oratorium „Das Paradies und die Peri“ stellt Nikolaus Harnoncourt ein weiteres Schlüsselwerk der Romantik in den Mittelpunkt der styriarte und bricht in diesem Jahr auch eine Lanze für den Operkomponisten Joseph Haydn - „Armida“ mit Cecilia Bartoli in der Titelrolle wird zu einem Höhepunkt des Festivals.
1997
Die styriarte setzt ihre Klassikdiskussion fort und stellt die Ideen des Fragmentarischen und des Monumentalen einander gegenüber. Unter dem Motto „...aber noch viel schönere Hoffnungen ...“ (aus Grillparzers Grabrede für Franz Schubert) wird dieses Spannungsfeld mit einem Schwerpunkt auf Musik von Schubert und Brahms beschritten. Die Gesamtaufführung der Brahms-Sinfonien mit dem Chamber Orchestra of Europe einerseits und die Produktion von Schuberts Oratorienfragment „Lazarus“ andererseits, beides unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts, sind die markanten Eckpfeiler dieses Festivaljahres. Auf der Opernseite erregt die Uraufführung der unvollendeten Schubert-Oper „Der Graf von Gleichen“ in der Fassung von Richard Dünser Aufsehen. Erstmals wird die styriarte auf vier Wochen ausgedehnt und präsentiert 35 Veranstaltungen.
1996
Die styriarte präsentiert sich in neuem Design – wie das Motto dieses Jahres „Einfach klassisch“. Unter diesem Thema durchstöbert die styriarte den Begriff „Klassik“, der mitunter als bequeme Schublade für die gesamte europäische Kunstmusik dient. Nikolaus Harnoncourt betritt in Graz ganz neuen Boden. Er bricht eine Lanze für den Opernkomponisten Robert Schumann und interpretiert in Starbesetzung dessen Oper „Genoveva“. Die „Klassik“-styriarte erreicht eine Auslastung von 93%.
1995
Die elfte styriarte folgt den „Spuren des Mythos“ zwischen dem Römersteinbruch in Wagna, wo der Theatermagier Gigi Tapella den Dichter Ovid sucht, und Schloss Eggenberg, wo Thomas Höft das mythologische Programm des Bauwerks in einer musikalischen Wanderung greifbar macht. Nikolaus Harnoncourt setzt Maßstäbe der Schubert-Deutung mit dessen Messen in Es und As. Und er finanziert und ermöglicht damit ein styriarte-Kinderprojekt: Die Zauberflöte im Zirkuszelt, präsentiert von Kindern für Kinder. Der Umfang der styriarte hat mittlerweile über dreißig Vorstellungen in drei Wochen erreicht, die Karteneinnahmen überwinden die 6-Millionen-Marke.
1994
Das styriarte-Thema „Brüche und Brücken“ wirft ein Beziehungsnetz über die europäische Musik zwischen Ars Nova des 14. Jahrhunderts und Neuer Musik unserer Zeit, zum Beispiel in einer spannenden Begegnung des Hilliard-Ensembles mit Jan Garbarek (Gothic meets Jazz). Nikolaus Harnoncourt versammelt eine Starbesetzung für eine konzertante Fidelio-Produktion. Mozarts Schauspieldirektor wird im Stefaniensaal zum ersten gemeinsamen Projekt zwischen Josef Hader und Harnoncourt. Die styriarte-Karteneinnahmen klettern in diesem Jahr auf rund öS 5,7 Mio.
1993
Das styriarte-Thema dieses Jahres, „Raum und Klang“, wird für das steirische Festival eine spannende Herausforderung. Dieses styriarte-Programm ermöglicht es, das einmalige Ambiente der Landeshauptstadt in neuen Dimensionen wahrzunehmen, seien es die Kalvarienberg-Kirche, das Mausoleum oder andere prächtige Gefäße für edle Klänge. Jordi Savall ist mit seinen Ensembles erstmals zu Gast in Graz.
1992
Kein Jahresregent, sondern ein Thema prägt fernerhin die styriarte-Programme, diesmal: „Sommer Nacht Traum“. Im Zentrum stehen Mendelssohns Sommernachtstraum-Musik und seine Walpurgisnacht mit dem Chamber Orchestra of Europe, Purcells Fairy Queen mit dem Concentus Musicus, alle drei unter Harnoncourt. Und rundherum „eine phantastische nächtliche Reise vom Mittelalter bis in die Gegenwart“.
1991
Mit der Neunten wird Harnoncourts Beethoven-Zyklus von 1990 abgeschlossen. Der einstige Spezialist für Alte Musik nähert sich mit dem Chamber Orchestra of Europe in Graz dem Werk von Mendelssohn, neben Johann Joseph Fux dem Jahresregenten der styriarte 1991. Edita Gruberova löst mit Mozart-Konzert-Arien im Stefaniensaal Begeisterungsstürme aus. Vor Schloss Eggenberg besorgen Pferde mit einem barocken Rossballett den szenischen Part der styriarte. Mathis Huber verantwortet seit diesem Jahr das Festival als Intendant. Die Karteneinnahmen überschreiten mit öS 3,5 Mio wieder eine Millionengrenze.
1990
Beethoven regiert dieses styriarte-Jahr: Harnoncourt beginnt seinen legendären Zyklus aller Beethoven-Symphonien, der später als CD-Produktion der Teldec ungeheuren Erfolg haben wird und damit die styriarte in alle Welt trägt. „Der Ohrenmaschinist“, Gert Jonkes Beethoven-Stück, kommt als Auftragswerk der styriarte im Schauspielhaus heraus, das Orpheum wird als styriarte-Spielstätte eingeführt, aber vom Publikum nicht angenommen. Im Budget bleibt dem Festival wieder ein Loch, Christopher Widauer verlässt das Unternehmen.
1989
Für die styriarte ist das ein Mozart-Jahr. Nikolaus Harnoncourt erobert mit seinem Concentus Musicus und dem Arnold Schoenberg Chor die Stainzer Pfarrkirche als Aufführungsort für Mozarts Kirchenmusik. Aber mit dem Dreiklang Mozart-Stainz-Harnoncourt wird nicht nur ein styriarte-Mythos begründet, sondern auch eine Serie von einmaligen CD-Einspielungen bei Teldec. „Ein Fest für Mozart“ hat mit einer Freiluft-Produktion von „Il Re Pastore“ im Eggenberger Schlosspark das Zeug zum Klassiker, geht aber im Regen unter.
1988
Das Chamber Orchestra of Europe kommt im Schubert-Jahr der styriarte mit einer zyklischen Aufführung seiner Symphonien, natürlich unter Harnoncourt, nach Graz. Bis 1988 sind der Grazer Dom und die Mariatroster Kirche Harnoncourts Kirchenmusik-Spielstätten der styriarte. Die Auslastung und das Angebot des Festivals steigen, die Karteneinnahmen klettern auf rund öS 2,7 Mio. Dennoch: Andrea Herberstein verlässt das Festival nach diesem Jahr, als Programmleiter folgt ihr Christopher Widauer.
1987
Joseph Haydn ist der Jahresregent des Festivals, und erstmals leitet Nikolaus Harnoncourt das junge Chamber Orchestra of Europe. Die letzten sechs Londoner Sinfonien Haydns im Stefaniensaal werden damit zum Grundstein einer fulminanten künstlerischen Zusammenarbeit, die von nun an jährlich in Graz Sternstunden für ein neugieriges Orchester und einen unkonventionellen Dirigenten bringen wird. „Ein Fest für Haydn“ im Schloss Eggenberg wird ein einmaliger Publikums-Erfolg, der in den Folgejahren nicht mehr einzuholen sein wird. Erstmals überspringen die styriarte-Karteneinnahmen mit rund öS 1,6 Mio die Millionenmarke.
1986
Der zweite Durchgang der steirischen Klassik-Festspiele ist einem feurigen Italiener gewidmet: Claudio Monteverdi. Harnoncourt bringt seine Marienvesper im dafür einmaligen Ambiente des Grazer Doms heraus. Den tiefsten Eindruck hinterlässt aber eine Musiktheater-Produktion im Schauspielhaus: Purcells „Dido and Aeneas“ mit Roberta Alexander und Thomas Hampson in den Titelrollen sowie mit dem Concentus Musicus unter Harnoncourt im Graben. Der Opern-Glanzpunkt fordert auch seine Opfer: Ein Loch im Budget lässt Wolfgang Schuster als künstlerischen Leiter abdanken.
1985
Lange schon hat sich der steirische Kultur-Landesrat Kurt Jungwirth bemüht, Nikolaus Harnoncourt für ein Festival in seine Heimatstadt Graz zurückzuholen. Gerade im „Jahr der Musik“ findet sich überraschend ein freies Feld in Harnoncourts Terminkalender, weil ein anderes seiner Projekte nicht realisiert wird. Ebenso überraschend tritt somit die styriarte auf die Bildfläche, mit dem Wiener Philharmoniker Wolfgang Schuster als künstlerischem Leiter und Andrea Herberstein als Generalsekretärin. Johann Sebastian Bach steht im Mittelpunkt des ersten Programms, die Johannes- und die Matthäuspassion im Grazer Dom mit dem Concentus Musicus unter Harnoncourt sind die Glanzpunkte der ersten styriarte.