Frauen am Pult: Rahela Durić
Zum Weltfrauentag fühlen wir Rahela Durić auf den Zahn und erfahren so, wie eine Vitrine der Soundflix-Dirigentin die Zukunft prophezeit hat.
Ein Beitrag von Kirsten Hauser.
Am 8. März ist Weltfrauentag. Im Haus Styriarte stehen Frauen am Pult. Eben dort dürfen wir bald zum ersten Mal Rahela Durić begrüßen.
Als Kind schon leitete die slowenische Meisterschülerin vor dem Fernsehgerät die Wiener Philharmoniker durch das Neujahrskonzert. Nachdem sie viele Jahre das Geigenspiel erlernt hatte, studierte sie dann doch Chorleitung bei Johannes Prinz an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und machte spätestens mit dem Sieg beim internationalen Noël-Minet Wettbewerb für junge Chorleiter in Turin auf ihr besonderes Gespür für die entfesselnde Kraft eines Klangkörpers aufmerksam. Heute sät Rahela Durić als Leiterin mehrerer Chöre und Assistenzprofessorin für Chorleitung an der KUG die Begeisterung für das Verbindende in der Musik bei anderen.
Und am 25. und 26. März 2026 beim jungen Soundflix Orchestra! Die Raiffeisen Kulturförderung macht es möglich, dass Rahela Durić bei SOUNDFLIX #5 – Magic! am Pult steht und das Publikum mit einem umwerfend magischen Programm begeistert.
Wir haben Rahela Durić sieben Fragen gestellt:
Wie bist du zum Dirigierpult gekommen?
Das ist eine ziemlich lustige Geschichte und die hatte viele Meilensteine. Den ersten würde ich dort setzen: Mein Vater hat immer am Neujahrstag das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker eingeschalten. Und ich kann mich noch erinnern: Ich war circa fünf Jahre alt und wir hatten eine Vitrine, in der man sich sehen konnte. Ich bin dann vor dieser Vitrine gestanden und hab da ganz wild mitgemacht und dirigiert und mir vorgestellt, dass ich jetzt dieses Ensemble leite. Ich kann zwar nicht behaupten, dass das der Moment war, in dem ich entschieden habe, Dirigentin zu werden. Aber vielleicht war es mir ja schon in die Wiege gelegt und es musste sich nur entwickeln. Ich habe dann 15 Jahre Geige gespielt und in vielen Orchesterprojekten mitgewirkt und im Gymnasium dann auch einen Kinderchor in der Pfarre gegründet und daran gemerkt, dass mir das sehr liegt und dass ich das sehr gerne mache. Ich mache auch jetzt noch viel Chorleitung.
Und der letzte Meilenstein oder Push zum Dirigierpult war ein Projekt, in dem ich mitgespielt habe und das eine Frau dirigiert hat. Und ich fand das wahnsinnig cool und faszinierend und habe dann mit ihr gesprochen. Sie hat mir erzählt, wo und wie sie studiert hat, was das bedeutet, und ich kann mich erinnern, ich war nach diesem Gespräch Feuer und Flamme und wusste, das ist etwas, das ich unbedingt machen möchte. Ich habe mich dann für die Aufnahmeprüfung angemeldet. Diese Frau hat mir dann ein paar Stunden gegeben und mir gezeigt, wie das geht, denn ich hatte keinen blassen Schimmer. Ich habe dann die Prüfung geschafft und meinen Weg zum Dirigierpult begonnen.
Was sind die größten Herausforderungen am Pult?
Ich würde sagen, die Musiker auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, sowohl technisch als auch musikalisch und persönlich, und dabei nicht zu stören, sondern zu inspirieren.
Welches Stück möchte ich unbedingt mal dirigieren?
Beethovens Neunte Sinfonie!
Was lernt man im Dirigierstudium?
Ich würde sagen, man lernt vieles und vieles auch wieder nicht. Probentechnisch und dirigiertechnisch lernt man ziemlich viel. Natürlich hat man bei eigenen Ensembles dann immer die Möglichkeit, noch weiter Dinge auszuprobieren. Ich würde auch sagen, man lernt, Dinge schnell zu lernen, weil der Workload ziemlich groß ist, auch schon im Studium. Was wiederum ziemlich gut vorbereitet auf das, was dann im Leben kommt als Dirigent oder Dirigentin. Das sind die Dinge, die man lernt – auch Partitur lesen, den Willen des Komponisten aus der Partitur herauslesen. Was man nicht lernt? Das Erste, das ich für mich herausgefunden habe: Wenn ich mich als Persönlichkeit weiterentwickle, dann beeinflusst das auch mein Dirigat und die Art, wie ich mit Menschen umgehe und wie ich Ensembles leite. Das war eine sehr große Erkenntnis für mich im Laufe der Zeit. Man lernt auch nicht, wie man Work-Life-Balance hinbekommt. Das ist etwas, das ich immer noch lernen muss: Welche Dinge ich annehme, was nicht, wo nein sagen, wo ja sagen. Und auch achten, dass es dem Körper und der Gesundheit gut geht. Das lernt man nicht im Studium und auch danach muss man sich ziemlich bemühen, dass das funktioniert. Ich würde auch sagen, man lernt nicht, wie man psychologisch und fachlich ein Ensemble auf längere Zeit gut betreuen kann, ohne dass es langweilig wird oder sich abnutzt. Da muss man kreativ werden, dass es über längere Zeitperioden funktioniert. Und ich finde auch, man kann nicht lernen, ein Gefühl für die Gruppe zu bekommen. Das sehe ich jetzt auch beim Unterrichten von Studierenden: Wenn man kein Gefühl dafür hat, was die Gruppe braucht, dann wird es sehr schwierig. Das lernt man mit der Zeit, aber das muss auch ein Teil der Persönlichkeit sein irgendwie.
Wie begeistert man junge Menschen für klassische Musik?
Man kann sie nur begeistern, wenn man selbst begeistert ist. Gleichzeitig finde ich Projekte wie SOUNDFLIX eine perfekte Gelegenheit, weil es ein Mix ist aus Show, Musik und Spaß und ich glaube, junge Menschen brauchen genau das. Nur das Seriöse, das klassische Musik an sich hat, ist vielleicht ein wenig too much.
Auf welches Stück im Soundflix-Programm freust du dich besonders?
Ich finde alle Stücke reizvoll und zauberhaft, aber ich glaube, am meisten freue ich mich auf den Danse Macabre von Camille Saint-Saëns.
Welche Zauberkraft würdest du dir aussuchen?
Das wäre: Dinge in Ordnung bringen, auf die ich als normaler Mensch keinen Einfluss habe, die ich aber verändern möchte.
Soundflix, die Live-Filmmusik-Show ist eine Produktion aus dem Haus Styriarte mit Raiffeisen Steiermark.
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