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Unsere Spielplätze: Stainz

© Werner Kmetitsch

Von Matthias Wagner

High-End-Kirchenmusik an einem ganz besonderen Kraftplatz: Das erlebt die styriarte-Familie seit 1989 bei ihren legendären Konzerten in Stainz. Auch nach dem Tod von Nikolaus Harnoncourt führen wir unsere Musikfeste in der paradiesischen Weststeiermark weiter. 2021 mit einem Staraufgebot rund um Jordi Savall.

AUF DEN 1. BLICK

„Stainz. Eine herrliche Lage dieser Markt mit dem Stift! Ein breites, fruchtbares Tal mit sanften Höhen begrenzt. Die Tiefe wie ein Garten bebauet, die Höhen voll Wälder, Höfe, Weingärten und Hecken […] Es läßt sich wenig Schöneres denken, wende wohin man wolle das Auge.“

Also steht es in Erzherzog Johanns Tagebuch. Datum: 11. Oktober 1831. Es war Liebe auf den ersten Blick. Wenig später kaufte er das alte Kloster mitsamt der Pfarrkirche und stattlichen Ländereien um 250.000 Gulden, wurde sogar demokratisch gewählter Bürgermeister von Stainz, modernisierte die ganze Gegend. Seine Familie, die Familie Meran, residiert bis heute in diesem Schloss, das so prächtig über der Gegend thront.

© Reinhart Nunner

HEIMKEHR DES URURENKELS

Diese Familie ist auch der Grund, warum die styriarte in Stainz seit 32 Jahren ihre schönsten Musikfeste feiert. Schließlich ist unser Gründervater Nikolaus Harnoncourt ein Ur-Urenkel von Erzherzog Johann gewesen. Seine Mutter Ladislaja Johanna Franziska, gebürtige „Gräfin von Meran“, kam sogar im Schloss Stainz zur Welt.

Es war 1989, im fünften Festspieljahr der styriarte, als Superstar Harnoncourt die Pfarrkirche zu einem Nabel der Klassikwelt adelte, standesgemäß mit Mozart (Waisenhausmesse und Dominicusmesse). „In Stainz haben wir eine ideale Konzertkirche gefunden“, erinnert sich unser Intendant Mathis Huber. „Sie hat ein tolle Akustik und keine Einbauten oder Säulen, die den Blick behindern. Und es ist eine wahnsinnig schöne, lebensfrohe Barockkirche, die stilistisch perfekt zur lebensfrohen Kirchenmusik des 18. Jahrhunderts passt.“

© Jungwirth

1991: Mozarts "Credomesse"

AUF DEN 1. TON

Es war sozusagen Liebe auf den ersten Ton. Bis zu seinem Abschied vom Dirigierpult im Jahr 2015 sollte Nikolaus Harnoncourt jeden Sommer wiederkommen. Seine Mitstreiter*innen vom Concentus Musicus und dem Arnold Schoenberg Chor, beide in der Großstadt Wien daheim, genossen diese Zeit im Hügelparadies, umgeben von Weinbergen. „Das hatte immer schon eine ganz besondere Atmosphäre, die auch einen förderlichen Einfluss auf die Musik gehabt hat“, erzählt Mathis Huber. Nicht umsonst hat Harnoncourts langjährige Plattenfirma TELDEC in Stainz jede Menge Sensations-Aufnahmen produziert, mit den prachtvollsten Solostimmen. Und einige der schönsten ORF-Klangwolken sind dort entstanden.

1991: Harnoncourt dirigiert Mozarts "Credomesse" in Stainz. (Alle Teile gibt es in dieser Playlist)

© Werner Kmetitsch

2009: Alice und Nikolaus Harnoncourt mit Mathis Huber.

Aber nicht nur die Musiker*innen spüren die spezielle Atmosphäre. Auch das Publikum sei dort besonders inspiriert, ist sich Herr Huber sicher. Das sieht man schon an der Kleidung. „Es kommen ja großteils die gleichen Leute wie bei den anderen Konzerten. Aber in Stainz nützen manche die Gelegenheit, sich in ihre Tracht zu werfen, dadurch bekommt das einen ganz eigenen Charakter.“

Wobei es selbstverständlich keinen Stainzer Dresscode gibt: „Manche Kund*innen haben da Vorbehalte, denen ist die Tracht zu konservativ. Niemand wird schief angeschaut, wenn er mit Jeans und Leiberl ins Konzert kommt.“

© Werner Kmetitsch

Das ist ja klar. Die Tracht ist etwas Schönes, Festliches, das gut in die Landschaft passt. Aber gerade im weltoffenen Haus styriarte sollen die Menschen so ein- und ausgehen, wie sie sich wohlfühlen. Pudelwohl. Das gilt 2021 ganz besonders, da sitzen unsere Gäste im Zuge unserer neuen Komfortregelung locker verteilt in den Kirchenbänken – und vorne gibt es ein Spektakel: Viermal leitet Jordi Savall sein Staraufgebot durch barocke Meisterwerke von Fux, Vivaldi und Händel.

Jordi Savall lachend mit Arm vor der Brust
© Nikola Milatovic

DER HIMMEL AUF!

Am 10. und 11. Juli ist es so weit, dann spüren wir wieder die Stainzer Magie. „Es hat diesen Reiz des Gesamtkunstwerks“, meint Mathis Huber. „Man fährt dorthin und erklimmt den Weinberg, auf dem das Schloss draufsitzt. Dann kommt man in den Schlosshof, und dort empfangen einen die Stainzer Mädchen und Buben mit Schilcher und Brot. Allein das Stehen in diesem Hof, das Treffen von Menschen mit gleichen Absichten, ist schon ein Erlebnis für sich. Dann strömen alle in die Kirche, und dann geht wirklich der Himmel auf.“

© Werner Kmetitsch

KLANGWOLKE 2021

Übrigens: Auch in diesem Sommer produziert der ORF Steiermark eine Klangwolke aus Stainz.
Informationen zur Klangwolke 2021

Infos zur Anreise und zur Geschichte der Stainzer Kirche.

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