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„LUST“ – STYRIARTE 2021

Ein Beitrag von Thomas Höft

Mit den Erdbeeren fing es an. Sie waren das unübersehbare Zeichen, dass die Styriarte 2021 sinnlicher, jünger und weiblicher als jemals zuvor ist – und das auch zeigt: in einem frischen, von einem jungen Frauenteam erarbeiteten Erscheinungsbild und in einem diversen Programm, das zwischen Alter Musik und Klassik bis hin zu Folk und Pop traumwandlerisch neue Wege beschreitet, die allesamt dem gemeinsamen Erlebnis verpflichtet sind, das Künstler*innen, Zuschauer*innen und die vielen Menschen hinter den Kulissen miteinander haben.

In ihrem zweiten pandemischen Jahr haben die Macher*innen des Festivals all die notwendigen Sicherheitsauflagen auf ihre positiven Qualitäten hin abgeklopft und daraus Formate entwickelt, die Bestand haben werden:

  • Im Freien spielen, so oft es geht – und damit den unvergleichlichen Zauber so spektakulärer Spielorte wie den Hof des Weltkulturerbes Schloss Eggenberg in die Aufführungen integrieren, beispielhaft in „Psiche“, der heurigen Fortsetzung der Entdeckungsreise durch das Werk des steirischen Barockgenies Johann Joseph Fux. Oder gleich zu den Marktplätzen steirischer Städte reisen, wie mit der herrlich quirligen Oper „Il Ciarlatano“.

© Nikola Milatovic

  • Lieber kurz und intensiv als ausladend und ohne Ende programmieren – und damit in gerade mal 70 Minuten alles zu sagen, was nötig ist, um Menschen zu begeistern und zu beglücken. Und das am besten zweimal hintereinander, damit genügend Zuschauer*innen in angenehmen Sitzabständen und zu bevorzugten Zeiten zu ihrem ganz persönlichen Erlebnis kommen.

Publikum bei einem Konzert
© Nikola Milatovic

  • Herausragende Botschaften und Ereignisse nicht nur für das Live-Publikum vor Ort zu gestalten, sondern via Video aufzubereiten und damit einen wichtigen Schritt in Richtung des Medienhauses Styriarte zu gehen. Ein Haus, das es möglich macht, spektakuläre Ereignisse wie das Fux.OPERNFEST wann immer man/frau mag, zu betrachten, und das mit Unterstützung des ORF eine neue Klangwolke ins Land schickte, mit Legende Jordi Savall aus der Pfarrkirche Stainz.

Amor und Psyche - Video on demand

Vor allem aber war die Styriarte 2021 ein Festivaljahr voller Emotionen. Andrés Orozco-Estrada, Jūratė Širvytė und Adrian Schvarzstein erzählten mit dem neugegründeten Styriarte Festspiel-Orchester.Youth Geschichten mit sinfonischer Musik und Giora Feidman spielte Klezmer als weltumspannende Versöhnungsgeste.

Jugendorchester mit dirigent
© Nikola Milatovic

Styriarte Festspiel-Orchester.YOUTH mit Tschaikowskis 5. bei der Styriarte 2021

Sopranist Samuel Mariño erklomm ungeahnte Arienhöhen, Tamara Stefanovich und Pierre-Laurent Aimard versenkten sich in Messiaen und die Erkundungen in Pop und Jazz waren divers wie nie, von Eddie Luis über Marcelo Nisinman und Ismael Barrios bis hin zu Mira Lu Kovacs und 5K HD.

Samuel Mariño lacht
© Nikola Milatovic

Samuel Mariño bei der Styriarte 2021

Ismael Barrios an den Bongos
© Nikola Milatovic

Stars und Newcomer gaben sich darüber hinaus die Hand: Dorothee Oberlinger, Kristian Bezuidenhout, Chris Pichler, Peter Simonischek, Markus Schirmer, Cameron Carpenter, Karl Markovics, Dietrich Henschel, Patrick Hahn und Alfredo Bernardini seien stellvertretend für alle genannt, die mit der Styriarte 2021, wo immer es möglich war, den Boden des konventionellen Konzertes verließen und sich aufmachten in ein Neuland, das es weiter zu erforschen gilt.

 

ZUM AUTOR:

Thomas Höft. Seit 1994 prägen seine Ideen und Erzählungen das Antlitz und die DNA des Hauses styriarte entscheidend mit. Neben der Dramaturgie, in der sein unkonventioneller Expertensinn für Musikgeschichte(n) immer neue Überraschungen aufspürt, ist der 1961 geborene Niedersachse auch Autor und Regisseur mit europaweitem Wirkungskreis.

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