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24. Juni bis 24. Juli 2022

Eigentlich hatten sie in Afrika alles, was sie brauchten. Warum der Homo erectus, Vorfahr der modernen Menschen, sich dennoch vor mehr als einer Million Jahren aufmachte, die Welt zu bewandern und zu besiedeln, wissen wir nicht. Es gibt Anthropolog:innen, die den Wunsch, „woanders hinzuwollen, als man gerade ist“, als eine der prägenden Konstanten der menschlichen Kultur beschreiben. Es ist unsere Natur, das Unbekannte entdecken zu wollen, zu reisen. Erst im Reisen lernen wir zu verstehen, dass unsere Gewohnheiten, unsere Regeln, unsere Sprache nur einen kleinen Ausschnitt der Welt repräsentieren, und dass es unglaublich viele andere Möglichkeiten gibt. 

Dieses Panorama eröffnet die Styriarte 2022 unter dem programmatischen Titel „Auf Reisen“. Und den Ausgangspunkt bildet eine Opernrarität des großen steirischen Barockkomponisten Johann Joseph Fux. Seine „Arianna“ führt uns auf die Insel Naxos, eine nicht erst in der Neuzeit entdeckte Urlaubsdestination allererster Güte. Und auch der Grandseigneur der Alten Musik, Jordi Savall, folgt er Reiseroute der Arianna. Außerdem erzählt Savall in einem großangelegten Projekt von den Reisen des Berbers Ibn Battuta, der im 14. Jahrhundert die gesamte islamische Welt besuchte und faszinierende Berichte darüber hinterließ. 

Dass Reisen aber keineswegs nur bilden oder beschwingen, sondern in Zeiten von „Overtourism“ und „Flugscham“ ihre Schattenseiten haben, verschweigt die Styriarte nicht und setzt in einer Serie von Konzerten ganz und gar auf das Fahrrad. So sind Destinationen wie Buenos Aires oder New York gesund und umweltfreundlich auf dem Sattel zu erreichen. 

Einen wichtigen Schwerpunkt des Programms bilden große Komponist:innen und ihre Reisen: Ob Franz Liszt auf Pilgerschaft geht, Schubert mit einem jungen Müller wandert, Mozart nach London aufbricht, oder Fanny Mendelssohn nach Italien, immer war das Anlass für ganz herausragende Musik. Und dass auch in der Sommerfrische bissige zeitkritische Aspekte stecken können, beweisen Sandy Lopicic und die Seinen bei ihrer Neufassung der satirischen Operette „Im weißen Rössl“ ebenso wie Michael Hell und Ārt House 17 bei einer queeren Interpretation von Johann Sebastian Bachs Leipziger Gastgartenkomödie „Die Kaffeekantate“. 

Gute Reise!

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