Zurück

Interview · Mathis Huber

Styriarte Intendant Mathis Huber sitzt in seinem Büro und amusiet sich
© Gerald Hirl

Festivalintendant Mathis Huber

Interview mit Intendant Mathis Huber zur Styriarte 26 für das Magazin Stadt. Land. Genuss. Erlebnisregion Graz

Licht, Klang, Humor: Intendant Mathis Huber erzählt, warum die STYRIARTE weit mehr ist als ein klassisches Festival. Zwischen Sonnenaufgängen, ungesäuerten Broten und echten Schätzen öffnet er Türen zu einem musikalischen Universum, das aufrichtet, unterhält und verzaubert. Ein Gespräch über Musik als Energiequelle, über Offenheit statt Exklusivität – und über die Kunst, Menschen dort abzuholen, wo sie sind.

Redaktion: Dr. Margot Hohl im Auftrag des Tourismusverbandes Region Graz

LICHT SPIELE bringt mottogetreu die STYRIARTE 2026 auf die Bühnen. Herr Intendant, wann haben Sie zuletzt Musik als Lichtmoment erlebt?

Mathis Huber: Bei der Konzeption eines Lichtfestivals, wie wir es heuer* haben, erlebt man massivste Lichtmomente. Auch im Programm: Dort sind es die aus der Haydn’schen Schöpfung: Die Scheidung der Finsternis vom Licht – aus der Genesis inspiriert. Dort haut’s einen wirklich vom Sessel, wenn man sich nicht anhaltet. Ein weiterer Lichtmoment aus diesem Werk ist der Sonnenaufgang, den wir musikalisch begleiten – in Kombination mit Gustav Mahlers Auferstehungssymphonie entsteht ein regelrechter Plot: von der Schöpfung bis hin zur Auferstehung. Ein massives Erlebnis, ich sage es Ihnen ehrlich!

Worum geht es Ihnen dabei?

Mathis Huber: Ganz einfach um positive Strahlung und Energie in einer Zeit, die dunkelgrau und wolkenverhangen ist. Musik wirkt tröstend und erhebend: Sie richtet zerknitterte Seelen wieder auf, sodass man frisch und reorganisiert in die Zukunft gehen kann. Durch ein Thema, das leuchtet. Wohlgemerkt: Die Wolken könnten wir auch liefern – tun wir aber nicht

Schon jetzt im Frühjahr wirft die Styriarte ihr Licht voraus. Mit dem Osterfestival PSALM.

Mathis Huber: Ja, auch im Osterfestival erzählen wir vom Licht – diesmal spirituell. Nach dem langen Winter, nach Weihnachten mit der längsten Nacht, spüren wir die Hoffnung auf Aufbruch. Wir haben es überlebt, und Ostern zeigt uns: Etwas war tot und ersteht wieder. Jetzt kann jeder frisch beginnen, sich aufrichten – was gestern war, bleibt hinter uns. Es ist das Fest der ungesäuerten Brote: alter Teig weg, neuer Teig her. Ich lasse einmal jährlich hinter mir, was schlecht war – eine Summe positiver Energie! Licht heißt ja: die Dunkelheit auszuleuchten.

Wo ist die Finsternis bei der STYRIARTE?

Mathis Huber: Die ist auch da, weil sich das Licht ja sonst nicht abheben kann davon.

Und wer steht im Rampenlicht?

Mathis Huber: Das Festival hat ganz grundsätzlich einen Star: Graz. Und all die schönen Spielorte in der Region und in der Steiermark. In der Vergangenheit haben wir schon Fahrradreisen und Orgelreisen im Rahmen des Festivals veranstaltet. Wir haben wunderbare Barockorgeln, ja Orgeljuwelen im Land. Die blieben immer dann erhalten, wenn aus Armutsgründen in der Kirchengemeinde die Orgel nicht restauriert werden konnte über die Jahrhunderte. Ein Glücksfall! Aber ich schweife vom Thema ab.

Es geht doch immer um Musik. Warum funktioniert die STYRIARTE eigentlich auch international so gut? Sie sind stets zu 90% ausgebucht.

Mathis Huber: Ich sehe uns nicht als internationales Festival – wir sind Kulturanbieter vor Ort. Die Salzburger Festspiele sind etwas anderes. Natürlich freuen wir uns, wenn Leute aus London, Hamburg oder weiß Gott woher zu uns kommen. Unser Programm ist international relevant, und die Qualität der Vorstellungen entsteht auch durch die Qualität des Publikums. Das alles ist ein Kommunikationsprozess mit den Leuten im Saal – da bekommen die auf der Bühne auch etwas zurück. Das ist der Kern: Man muss nicht g’scheit* sein, um in ein Konzert zu gehen. Der Schatz, den wir hier haben, ist so groß und universell. Einstiegsschwellen reißen wir grundsätzlich nieder. Man muss keine Stufen erklimmen um bei uns glücklich zu werden. Unsere Preisstruktur – ab 25 Euro – ist nicht zufällig. Wer von auswärts kommt, taucht so direkt in das Leben der Stadt ein. Wir bieten ein authentisches Kunsterlebnis. Keine für Gäste gemachte Zaubershow, kein Disneyland. Sondern die echte Stadt, den echten Schatz, gefüllt mit Musik.

Wie fühlt sich dieser Schatz an?

Mathis Huber: Die Styriarte bietet eine breite Palette musikalischer Möglichkeiten – von bürgerlich-klassischer Konzertmusik über alte Musik, Ethno, Klezmer bis Tango Nuevo … vieles, das früher in ein klassisches Festival nicht hineingepasst hätte. Dazu wählen wir die passenden Räume – wir geben der Architektur ihren Klang zurück, so wie sie ihn einst vernommen hat. Unser Stammhaus, das Palais Attems, ist DAS Juwel von Graz, unentdeckt und perfekt für unser Festival. Die Nähe und Intimität zwischen Bühne und Publikum sind eine besondere Qualität. Was uns auszeichnet, ist clevere Vielfalt, würd‘ ich sagen. Hoffentlich halt.

Wie schaffen Sie das?

Mathis Huber: Entscheidend ist: Die G’scheitheit* ist das Drittvorletzte, das hier eine Rolle spielt. Es geht um die emotionale Beglückung der Menschen – und die gelingt leichter, wenn das Ambiente stimmt. Man braucht keine Betriebsanleitung, um zu verstehen, was man hört und sieht. Kunst erzählt Geschichten: über Werte, über unser Miteinander, über die Welt, wie wir sie sehen. All das funktioniert nur, wenn die Leute gut unterhalten werden. Wir haben das Privileg, in Graz und der Steiermark arbeiten zu dürfen, in einer Umgebung, deren künstlerische Qualität einzigartig ist.

Was macht die STYRIARTE, wenn nicht gerade STYRIARTE ist?

Mathis Huber: Mittlerweile sind wir ein Ganzjahresbetrieb. Die Arbeit wird über Jahre vorbereitet, der Kartenverkauf startet im November, und die Orchestersaison läuft von Oktober bis Juni. Im August ruhen wir fast – 2025 hatten wir 172 Veranstaltungen. Das Haus STYRIARTE schläft nie ganz; vielleicht fällt uns auch für August noch etwas ein. Im Advent sind wir nicht die Punsch-, sondern die Sinn-Abteilung. Und das Bedürfnis nach Sinn ist mindestens so groß wie nach Punsch. Zudem: Unser Produkt ist nachhaltiger.

* Übrigens: Wir zitieren so authentisch, dass wir für unsere Leser:innen in bzw. aus Deutschland zwei Begriffe aus diesem Interview näher erläutern wollen:

heuer = in diesem Jahr
g’scheit = klug, gebildet

Intendant Mathis Huber liest im Programm der Styriarte 26
© Gerald Hirl

Intendant Mathis Huber

Wordrap · Mathis Huber

  • Licht ist für mich … Zeichen für Hoffnung, Freude, Glück.

  • Mein inneres Metronom sagt … „Tempo, Tempo!“

  • Schönheit ist verdächtig, wenn … sie nur an der Oberfläche liegt.

  • Klassik wird unterschätzt, weil …  sie sich selbst aus dem Spiel genommen hat – fatal und selbstverschuldet.

  • Stille ist … grundsätzlich spannend, weil die Wirkung von Musik auf dem Kontrast basiert.

  • Kunst darf ruhig … glücklich machen.

  • Musik kann leider nicht … unmittelbar die Welt verbessern. Sie kann es nur auf dem Umweg.

  • Ich werde nervös, wenn … - werd‘ ich nicht. Das ist kein mir üblicher Zustand.

  • Im Kopf habe ich kurz vor Festivalstart … die Überzeugung, dass es wunderbar wird.

  • Ein gutes Konzert erkennt man daran, dass … die Leute strahlend aus dem Saal kommen.

  • Das Publikum merkt sofort, ob … man es als Kommunikationspartner ernst nimmt.

  • Wenn alles schiefgeht, dann … fang‘ ma wieder neu an.

  • Nach dem Applaus denke ich … „es hätte noch mehr sein können“.

  • 2026 soll sich anfühlen wie … der Anfang der Rettung der Welt.

  • Der größte Irrtum über meinen Job ist … (denkt lange nach) dass dieses Festival nach 40 Jahren fad wird. Im Gegenteil – es ist so spannend wie am ersten Tag, wenn nicht noch spannender! Man hat das Revier nie ausgelotet, für ein immer neues Publikum mit immer neuer Sozialisation.

Intendant Mathis Huber sitzt auf einem gemusterten Sessel mit gestikulierenden Armen in seinem Büro
© Gerald Hirl

Mathis Huber

Beitrag teilen